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Zustimmung.  Er  berichtete  mir  von  Amtsbrüdern,  deren
Französisch  nicht  zum  Anhören  sei,  und  die  trotzdem  damit
Bildungsschwindel  trieben,  aber  den  Erfolg  hätten,  dadurch
eher  ihre  Unbildung  als  ihre  Bildung  zu  offenbaren.  „Ja,
warum  tun  Sie  dann  dasselbe?“  fragte  ich.  —  „Bei  mir  ist
es  doch  nicht  Bildungsschwindel,  bei  mir  ist  es  ja  Mutter
sprache;  ich  kann  meinen  Kindern  doch  nieinen  eigenen  geistigen
Besitz  nicht  vorenthalten!“  —  „Man  kann“,  erwiderte  ich,
„diese  angebliche  Muttersprache,  die  Sie  an  Ihre  Kinder
weitergeben,  auch  als  Bildungsschwindel  im  zweiten  Glied
auffassen.  Ob  die  Anerziehung  einer  unserem  angestammten
Volkstum  fremden  Sprache  zu  einem  wertvollen  geistigen  Besitz
führt,  scheint  mir  übrigens  mehr  als  fraglich.“

Dies  Gespräch  bestätigte  mir  zweierlei:  einmal,  daß  die
selbst  im  Bildungsschwindel  ausfgewachsenen  Elsässer,  auch  wenn
sie  sonst  keine  Deutschfeinde  sind,  für  unsere  deutsche  Muttersprache
  doch  keine  Liebe  und  Anhänglichkeit  empfinden  können,
da  sie  das  ihnen  anerzogene  Fremde  für  einen  Vorzug,  für
einen  wertvollen  geistigen  Besitz  halten,  den  sie  vor  ihren  Landsleuten
  voraus  hätten;  und  daß  sie,  obwohl  sie  auf  die  Bildungsschwindler
  ersten  Gliedes  als  auf  „Parweni“  herabsehen  und
ein  Gefühl  für  deren  Unnatur  haben,  und  vom  Spott  gegen
den  Bildungsschwindel,  wie  wir  ihn  z.  B.  im  elsässischen  Theater
mitunter  finden,  sich  nicht  getroffen  fühlen,  sondern  die
Bildungsschwindler  ersten  Gliedes  eher  noch  mit  verspotten,  doch
durch  ihr  böses  Beispiel  die  Ursache  dieser  Spott  verdienenden
Unnatur  sind.“)  Verspottet  sind  die  Elsässer  für  ihr  Französisch
  immer  worden;  z.  B.  schon  die  alten  Straßburger,  vor
100  Jahren,  die  bekanntlich  kein  „u“  sprechen  konnten,  und  die
daher,  wenn  sie  sich  über  Halsweh  beklagen  wollten,  dies  mit
den  Worten  taten:  sche  Mal  o  Kü,  was  auf  ein  französisches  Ohr
gerade  keinen  übergebildeten  Eindruck  machte.  Später  konnte

*)  Eine  beliebte  geistreiche  elsässische  Unterhaltung  besteht
z.  B.  darin,  daß  einer  etwas  auf  gut  elsässerditsch  sagt,  und  der
andere  es  dann  als  Antwort  ins  Französische  übersetzt.  So  fuhren
vor  einigen  Jahren  nach  einem  schwülen  Augstnachmittag  zwei  biedere
Steckelburger,  wie  die  Straßburger  im  Volksmund  heißen,  selbander
abends  im  Kehler  Tram  nach  Hause.  Ihr  Gespräch  galt  dem  Wetter.
Der  weniger  Gebildete  der  beiden  sagte  etwas,  und  der  Gebildetere
übersetzte  es  mit  bewunderuswerter  Beharrlichleit  mit  der  Einleitung
„Weji  Be  —  genan  läßt  sich  der  Selbstlaut  seiner  Bejahung
selbst  mit  Lautschrift  nicht  schreiben,  da  seine  Färbung  insolge  der
Aussprachekritik,  die  der  Sprecher  zu  hören  bekommt,  nicht  seststeht,
dieser  vielmehr  immer  neue  Versuche  macht,  den  richtigen  accent  des
französischen  Wörtleins  o#  ui  zu  treffen.  —  ins  Franzäsische,  Schließlich
schimpfte  der  weniger  Gebildete  über  die  elenden  Schnaken,  die  einem
nicht  einmal  in  der  Nacht  Ruhe  ließen,  worauf  der  Gebildetere  erwiderte:
„Ab,  wäjj.  wäsl,  lä  Pünnähs,  lã  Pünnähs“  (punaise  =  Wanze?.