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sollte.“  Sie  sehen  daraus,  welchen  Eindruck  der  elsässische
Bildungsschwindel  auch  auf  die  Besten  der  Franzosen  macht.
Sie  haben  von  ihren  früheren  Landsleuten  eine  viel  zu  hohe
Meinung,  um  anzunehmen,  daß  sie  sich  zu  solchen  läppischen
Kindereien  ohne  tiefern  innern  Grund  hergeben.  So  tragen
die  Elsässer  ihrerseits  dazu  bei,  die  öffentliche  Meinung  unseres
Nachbarlandes  zu  täuschen  und  das  unglückliche  Land  nicht  zur
Ruhe  oder  gar  zur  Freundschaft  mit  uns  kommen  zu  lassen.
Der  erwähnte  Franzose  mußte  mir  im  Gespräch  zugeben,
daß  dem  Rewanschegedanken  in  seinem  Vaterland  nichts  so
sehr  den  Boden  unter  den  Füßen  entziehen  würde  als  die
Kunde  von  einer  so  deutschen  Haltung  der  Elsässer,  daß  se  sie
zur  Erklärung  nötigen  müßte:  „Wir  wollen  euch  nicht  mehr.“

Aus  all  den  angeführten  Gründen  wächst  auch  unter
deutscher  Herrschaft  bei  uns  die  Ausdehnung  des  Gebrauchs
der  französischen  Sprache  von  Geschlecht  zu  Geschlecht.  Neulich
sagte  mir  ein  Freund,  es  gäbe  in  Lothringen  Punkte,  wo  die
Sprachgrenze  sich  seit  dem  Krieg  nach  Osten  verschoben  hätte.
Bisher  hatte  ich  noch  keine  Gelegenheit,  die  Richtigkeit  dieser
Mitteilung  nachzuprüfen.  Eine  Sprachgrenze  rückt  übrigens
auch  nicht  kilometerweise  vor,  sondern  klassenweise,  nach
Bevölkerungsschichten,  bis  schließlich  die  unterste  Schicht  die
Sprache  der  oberen  angenommen  hat;  und  in  diesem  Sinn
kann  man  sagen,  die  Sprachgrenze  ist  bei  uns  wirklich  auf
Kosten  des  Deutschtums  vorgerückt.  Die  erdrückende  Mehrzahl
aller  Kinder,  deren  Eltern  auf  der  Schule  oder  sonstwo  genug
französisch  gelernt  hatten,  sind  mit  französischer  Muttersprache
erzogen  worden.  So  verlangt  es  der  Anstand.“)

Welche  Aussichten  bietet  nun  das  für  die  Zukunft?
Die  Wahlaufrufe  aller  Parteien  des  Reichslandes  verlangen  Vermehrung
  des  französischen  Unterrichtes  an  den  höheren  Schulen
und  Wiedereinführung  in  die  Volksschulen.  Das  läßt  uns  ahnen,
wie  die  sprachlichen  Verhältnisse  sich  weiter  entwickeln  würden,
wenn  wir  das  Unglück  haben  sollten,  schon  jetzt  selbständiger
deutscher  Bundesstaat  zu  werden,  wie  gleichfalls  von  allen
Parteien  verlangt  wird.  Der  bekannte  Abgeordnete  Wetterlé,
mit  dem  Gesinnungsf'rich  auf  dem  letzten  Buchstaben,  schrieb
unlängst:  „Jede  Bestimmung  in  der  neuen  Verfassung,  die  uns

*)  Ein  altdeutscher  Beamter,  mit  dem  ich  davon  sprach,  wandte
ein:  „Aber  auf  dem  Launde  ist  das  Französische  doch  bereits  tot."
Darauf  erwiderte  ich:  „Wo  es  heute  tot  ist,  da  hat  es  überhaupt
noch  nie  gelebt.  Wo  es  aber  bereits  Leben  hatte,  da  hat  es  sich
sogar  mächtig  ausgebreitet  in  inuner  weitere  Kreise.  Die  Verhält-6
  in  abgelegenen  ländlichen  Gegenden  sind  ein  geringer  Trost,
da  bekanntlich  jede  Sprachbewegung  von  der  Stadt  aufs  Land  geht.
nicht  umgekehrt.“