—  19  —

auf  die  Großmut  Englands,  das  den  Buren  schon  nach  sechs
Jahren  gewährt  habe,  was  Deutschland  nach  36  Jahren  uns  noch
immer  vorenthalte.  Halt  Bauer,  dachte  ich,  das  ist  denn  doch
was  anderes!  Die  Buren  sind  Männer.  Wenn  wir  die  Ehre
hätten,  einmal  einem  jener  heldenhaften  Kämpfer  zu  begegnen,
dann  würde  ich  sagen:  Hut  ab,  so  weit  wie  der  Arm  reicht!  Vor
Leuten  aber,  wie  Stoskopfs  „Herr  Mär“,  der  wohl  für  den
Regierungswahlbewerber  „schafft“,  aber  nicht  für  ihn  stimmt,
oder  seinem  „Hoflieferant“,  der  sich  zum  königlich-sächsischen
Hoflieferanten  ernennen  läßt,  aber  sich  seiner  deutschen
Abstammung  schämt,  weil  er  durch  seine  schowinistischfranzösische
  Haltung  einen  französischen  Orden  erstrebt,
gehört  der  Hut  aufgesetzt,  wenn  wir  ihn  etwa  zufällig
gerde  in  der  Hand  getragen  haben  sollten.  Das  ungestüme

erlangen  dieser  messieurs,  die  mit  solchen  Beweisführungen
kommen,  bringt  die  Herren  am  grünen  Tische  immer  mehr  in
Verlegenheit,  daß  sie  schließlich  nicht  mehr  wissen,  mit  welcher
Ausrede  sie  ihnen  antworten  sollen.  Ich  empfehle  ihnen  als
Rettung  aus  ihrer  Verlegenheit  das  lateinische  Sprichwort  Quod
licet  Jovi,  non  licet  bovi,  zu  deutsch:  „Kommt  wieder,
sobald  ihr  einmal  Männer  geworden  seid.  Die  Buren  haben
für  ihr  eigenes  Volkstum  geblutet,  ihr  dagegen  fördert  in
unsozialer  Erhebung  über  eure  eigenen  Gaugenossen  und  unter
Abfall  vom  Volkstum  eurer  Vorfahren,  das  ihr  in  eurem
Hochmut  für  minderwertig  haltet,  ein  fremdes  Volkstum.  Euer
eigener  großer  Landsmann  Fr.  Lienhard  nennt  euch  dafür
„Zwitterzwerge“.  Wenn  ihr  einmal  den  Grund  zu  diesem  Vorwurf
  beseitigt  habt,  danm  kommt  wieder,  und  wir  wollen
mit  uns  reden  lassen."“

Die  Sache  hat  aber  nichtlbloß  eine  nationale,  sondermkauch
eine  kulturelle  Seite.  Der  Weg  vom  Deutschtum  ins  Franzosentum
  führt  notwendig  durch  die  Entwicklungsstufe  der  Zweisprachigkeit
  hindurch.  Ehe  man  völlig  verwelscht,  verluremburgert
  man.  Die  Zweisprachigkeit  hatte  längst  in
französischer  Zeit  begonnen.  düber  ihre  kulturelle  Wirkungbereits
im  Jahre  1830  urteilt  der  elsässische  Graf  Dürckheim  in  seinen
„Erinnerungen"  folgendermaßen:  „Der  Dualismus  in  Sprache,
Erziehung  und  Lehrmethode  gereicht  den  Elsässern  zum  größten
Schaden.  Man  wird  nur  stark  und  vollkommen  in  der  Muttersprache.
  Wird  diese  vernachlässigt,  so  bildet  sich  der  Mensch  nur
halb  heran.  Es  entwickeln  sich  seine  Naturanlagen  viel  schwerer
und  langsamer.  Auch  sehen  wir  seit  der  Einführung  der
französischen  Sprache  immer  weniger  bedeutende  Männer  in
unserem  näheren  Baterlande  erscheinen“.  Eine  unfreiwillige