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Beide  sind  auch  katholisch.  Fleur  eut  hat  seinen  Aufsatz  (L'idoe
de  patrie  en  Alsace)  französisch  geschrieben  und  im  Hornung
dieses  Jahres  in  einer  Pariser  Zeitschrift  zu  veröffentlichen
den  Mut  gehabt.  Sein  Verdienst  ist  darum  auch  deswegen
hoch  anzuschlagen,  weil  er  damit  zur  Aufklärung  drüben  beigetragen
  hat.  Er  hat  damit  nicht  nur  dem  Elsaß  und  dem
Deutschen  Reich,  sondern  auch  Frankreich  einen  großen  Dienst
geleistet.  Sein  Urteil  hält  Ruland  für  das  Richtigste  unter  den
Dreien,  obwohl  Fleurent  für  seine  Person  gegen  das  Deutschtum
  am  zurückhaltendsten  ist;  er  weissagt  aber  dessen  Sieg.
Ruland  nennt  sein  Verfahren  anatomisch.  Fleurent  macht
auf  den  Unterschied  aufmerksam  zwischen  dem  großen  Vaterland
  eines  Menschen  und  dem  kleinen,  d.  h.  seiner  Heimat.
Die  Elsässer  hätten  vor  1870  ein  großes  Vaterland  gehabt,
für  das  sie  lebten;  die  jungen  Elsässer  hätten  mit  diesem
großen  Vaterland  ihrer  Eltern  heute  das  Zusammengehörigkeitsgefühl
  verloren,  ohne  bis  jetzt  dafür  in  Deutschland  einen
Ersatz  gefunden  zu  haben.  Für  ihre  Gefühle  gäbe  es  nur  das
kleine  Vaterland,  Elsaß-Lothringen.  Das  könne  aber  auf  die
Dauer  unsere  Seele  nicht  füllen,  weil  es  niemals  eine  eigene
elsaässische  Kultur  gegeben  habe  und  auch  nicht  geben  werde.
Er  sieht  in  dieser  Beschränkung  die  Gefahr  geistigen  Siechtums,
marasme  intellectuel,  wie  er  es  nennt.  Das  Elsaß  müsse
sich  also  dazu  entschließen,  Anschluß  an  die  deutsche  Kultur  zu
suchen,  wenn  es  nicht  geistig  verarmen  will.

Einen  etwas  anderen  Weg  wandelt  Prévot  in  seiner
Schrift:  „Das  deutsch-französische  Kulturproblem  im  Elsaß“.
(Berlin  W.,  Süsserott,  1  Mk.)  Er  weist  nach,  daß  das
Elsaß,  das  einst  vor  dem  dreißigjährigen  Krieg  im  deutschen
Kulturleben  eine  so  hervorragende  Rolle  spielte,  in  der  französischen
  Zeit  aufgehört  hat,  große  Männer  herworzubringen.
Trotzdem  redet  er  auf  seiner  letzten  Seite  von  einem  „Kulturelsässertum“,
  das  zwei  Kulturen  in  sich  vereinige.  Ich  erschrak
beim  erstmaligen  Lesen  über  diesen  Schluß.  „Das  ist  ja“,  sagte
ich  mir,  „wieder  das  bekannte  Brückenideal  so  vieler  unserer
Landsleute,  die  das  Französische  pflegen,  ohne  darum  ausgesprochen
  deutschfeindlich  gesinnt  zu  sein“".  Wie  wir  bereits
bemerkten,  ist  dieses  Brückenideal  in  französischer  Zeit  aus  der
Not  der  Verhältnisse  herausgewachsen.  Man  wollte  den  angestammten
  geistigen  Besitz  im  Land,  zu  dem  man  gehörte,
nutzbringend  und  in  edler  Weise  verwenden.  In  gleicher
Zwangslage  befinden  sich  heute  die  Bewohner  des  französischen
  Siebentels  im  Westen  des  Landes.  Man
solltedarum,  meine  ich,  königlich  zufrieden
sein,  wenn  diese  Leute  sich  zum  Brücken-