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Antwort  darauf  habe  ich  bis  heut  noch  zu  gut.  Als  ich
dies  Gespräch  vor  etwa  2  Jahren  einem  Bildungsschwindler
  zweiten  Gliedes  erzählte,  dem  die  Münstertäler
Mundart  bekannt  war,  war  er  im  Augenblick  ebenso  baff,
sagte  aber  am  folgenden  Tag:  „Ich  hab  diese  Nacht  über
Ihren  Vergleich  nachgedacht.  Ich  glaube,  wenn  eine
schöne  Pariferin  diese  Worte  ausspricht,  müssen  fie  doch
anz  anders  klingen  als  von  den  rauhen  Lippen  Ihrer
Mütertäler  Bauern.“  —  „Dann  liegt  die  Schönheit
aber  nicht  in  der  Sprache,  sondern  in  den  holden  Lippen
Ihrer  Pariserin,  die  die  unschönen  Laute  mit  einem
gezierteren  Tonfall  und  lieblicheren  Gesicht  spricht.  Dafür
habe  ich  leider  kein  Verständnis.  Für  mich  ist  dies
Beispiel  ein  Beweis,  daß  die  Behauptungen  über  Schönheit
  einer  Sprache  nichts  als  Willkür  sind.  Soviel  ich
von  Sprachen  kenne,  hat  jede  Sprache  Vorzüge  und  auch
Mängel,  und  zwar  immer  wieder  an  anderm  Ort,  als  die
anderen.  Wenn  man  darum  einzelne  Punkte  herausgreift,
  und  das  ganze  nicht  übersieht,  so  ist  es  sehr  leicht,
einer  Sprache  auf  Kosten  der  andern  Vorzüge  nachzuweisen
  oder  anzudichten  und  den  unkundigen  Leuten
damit  Sand  in  die  Augen  zu  streuen.  Die  Elsässer  haben
nun  bereits  solchen  Sand  in  den  Augen,  man  muß  ihnen
darum  auch  die  Mängel  der  Sprache  aufdecken,  mit  der
sie  solchen  Götzendienst  treiben,  bei  dem  sie  so  unverantwortliche
  Opfer  bringen.  Und  das  werd’ich,  wenn's
sonst  niemand  tut,  noch  eimmal  besorgen  müssen.“

Als  Beweis  für  die  Schönheit  des  Französischen  wird
gern  sein  größerer  Reichtum  an  Klingern  (Vokalen)  angeführt.
  arin  wird  es  aber  z.  B.  vom  Italienischen
übertroffen,  und  wenn  ich  nicht  belogen  worden  bin,  so
wird  in  Mülhausen  auch  tatsächlich  schon  das  Italienischlernen
  weibliche  Mode.  Ob  die  Leute  auch  wissen,  daß
sich  die  meisten  Sprachen  der  Eingeborenen  Afrikas,  Asiens
und  Australiens  durch  gerade  diesen  „Vorzug“  auszeichnen?
  Das  älteste  bekannte  Deutsch,  Gotisch,  war  noch
bedeutend  reicher  an  Klingern  als  das  heutige.  Und
trotzdem  wage  ich  die  Behauptung,  unsere  Sprache  ist
heute,  abgesehen  von  ihrer  Verseuchung  mit  Fremdwörtern
infolge  Bildungsschwindels,  vollkommener  als  damals.

Obige  Karte  besagt  nun  unter  der  Voraussetzung,
daß  Französisch  eine  schöne  Sprache  sei,  es  müsse  darum
Sprache  der  Gebildeten  sein.  Ich  weiß  nicht,  wie
man  ein  unsozialeres  Wort  aussprechen  könnte.  Die
Gebildeten  sollen  sich  also  nicht  nur  durch  allen  möglichen