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französischer  Sprache  in  unsern  Schulen  verlangen  können.“)
Die  Hersschaft  derer  sollten  sie  zu  stürzen  suchen,  die
aus  unsozialer  Uberhebung  das  Bedürfnis  dieses  an  sich
wertlosen  formalen  Gegenstandes  im  Lande  künstlich
schaffen  und  weiter  pflanzen!  Sachkenntnisse  statt  Wortkenntnisse!
  Brot  statt  Steine  für  den  Bildungshunger
unsers  Volkes!

Ist  nun  aber  das  Französische  an  sich  eine  soziale
Sprache?  Ich  meine  nicht  für  uns,  sondern  für  das
französische  Volk  selbst.  In  meiner  Bibelsammlung  in
verschiedenen  Sprachen  befindet  sich  ein  Büchlein  La
bonne  Nouvelle  de  notre  Seigneur  JGsus-C’hrist  selon
le  récit  de  Luc.  Version  populaire.  (Paris  1894.
Firmin-Didot.)  Also  eine  Lukasübersetzung  in  ein  dem
französischen  Volk  verständliches  Französisch.  Der  Verfasser
  hält  also  die  Geyöhyliche  bersetzung  für  wenig
verständlich  für  das  Volk.  Ein  älterer  Amtsbruder,  der
in  französischer  Zeit  studiert  hat,  machte  mich  auf  folgende
  Tatsache  aufmerksam.  Wenn  man  in  unserem
deutschen  Gesangbuch  die  Liederdichter  durchgeht,  dann  findet
man  unter  ihnen  Leute  aus  allen  Lebensstellungen,  auch
Krämer,  Zimmerleute,  Weber  und  andere  Handwerker  usw.;
wenn  man  dagegen  auf  die  Liederdichter  französischer  Gesangbücher
  merkt,  dann  findet  man  nichts  als
pasteurs  und  professeurs.  Wie  kommt  das?  Die  gebildete
  französische  Sprache  ist  durch  und  durch  unsozial,
sie  ist  aus  dem  Bildungsschwindel  der  Gelehrten  des
17.  Jahrhunderts  hervorgegangen,  die  mit  Latein  und
Griechisch  Bildung  schwindelten.“)  Zwar  sind  dielateinischen
Wörter,  die  sie  einführten,  insofern  weniger  schädlich  für
sie  als  für  uns,  weil  Französisch  eine  lateinische  Tochtersprache
  ist,  so  daß  der  eigene  Wortschatz  zur  Verständlichmachung
  lateinischer  Fremdwörter  dienen  kann,  z.  B.  kann
mobile  an  mouvoir  ebenso  gut  angelehnt  werden  als
das  echtfranzösische  Wort  meuble.  Die  Verwandtschaft

*)  Ein  Freund  macht  mich  soeben  auf  den  tieferen  Grund
dieser  wunderbaren  Erschemung  aufmerksam.  Kein  Mädchen  hat
z.  B.  in  Straßburg  Aussicht,  als  Ladenmädchen  anständige  Anstellung
  zu  finden,  Le  Französisch  zu  können,  da  die  Straßburger
Damen  mr  französisch  einzukausen  belieben.

*#%  Uber  den  Bildungsschwindel  der  französischen  Damen  seiner
Zeit  spottete  schon  der  größte  französische  Lustspieldichter  Moliere
in  seinen  „Précleuses  ridicules“  und  machte  sich  dadurch  viele  Feinde.
Heute  scheint  da  und  dort  in  Frankreich  etwas  wie  deutscher  Bildungsschwindel
  zu  beginnen.  Wenigstens  berusen  sich  dte  Elsässer  bereits
darauf.  Sie  klammern  sich  bekanntlich  an  jeden  Strohhalm,  um
ihre  umgerechtsertigte  Unnatur  zu  rechtsertigen.