Wetterle  hat  in  seinem  Journal  de  Colmar  einen
Raum  für  Causeries  hebdomadaires.  Man  vergeichr
  sein  hbebdomadaire  mit  unserm  „wöchentlich“!°)

as  Unverantwortliche  der  unsozialen  Gelehrten  ist  eben,
daß  sie  durch  den  Gebrauch  solcher  Wörter  dem  eigenen
Volk  die  eigene  Sprache  erschweren.  Das  Gelungenste
ist  nun,  daß  die  Elsässer  diese  Pfähle  im  Fleisch  der
französischen  Sprache  für  urfranzösisches  Sprachgut
halten,  und  darum  die  Tatsache,  daß  es  auch  in  Deutschland
  unsoziale  Menschen  gibt,  die  bei  den  Griechen  und
Römern  die  Mittel  zum  Gedankenausdruck  borgen,  in
der  Weise  auslegen,  als  ob  sie  aus  dem  „Reichtum“  der
französischen  Sprache  schöpften,  um  ihre  eigene  Armuut
damit  zuzudecken!  Da  Geografie,  Geometrie,  Telegraf,
Telefon  ihrer  Meinung  nach  lauter  französische  Wörter
sind,  muß  man  sie  selbstverständlich  auch  möglichst  gebildet
  aussprechen,  z.  B.  Schéografi,  Schéometri,  Télefon,
letzteres  mit  Auslassung  des  n  und  dafür  genäseltem  *
Damit  kann  man  hierzuland  täglich  Bildung  markieren
hören,  in  Unkenntnis  der  Tatsache,  daß  die  Franzosen  in
Wirklichkeit  den  Fernsprecher  téléphone  nennen,  also  ohne
Näselung.

Die  Elsässer  glauben  auch,  Französisch  sei  eine  viel
leichtere  Sprache  als  Deutsch.  Italiener  und  Spanier
werden  das  bereitwilligst  unter  chrelben,  da  sie  Französisch
jedenfalls  in  viel  kürzerer  Zeit  lernen  als  das  Deutsche.
Aber  das  kommt  davon,  daß  eben  ihet  Muttersprachen
Schwestersprachen.  des  Französischen  sind.  Dänen  und
Schweden  z.  B.  fällt  aber  unser  Deutsch  sehr  viel  leichter

*)  Soeben  als  ich  dies  in  den  Druck  geben  will,  fällt  mein
Blick  in  den  Papierkorb,  worein  ich  die  Anzeige  eines  Karlsruher
Verlags  geworfen  hatte,  der  Entwürfe  für  Anschauungsunterricht
(von  G.  Sturm)  empfiehlt.  Da  erblicke  ich  gerade  den  gesperrt
gedruckten  Schlußsatz  einer  Behandlung  des  Buschwindröschens:
.Das  Fuscwinbebeen  beißt  so,  weil  es  im  Bus  che  wächst,  vom
Wind  sich  gern  wiegen  läßt  und  seine  Blüte  einem  Heckenröschen
  ähnelt.“  Ich  denke  mir  num  eine  französische  Lehrerin,
die  mit  ihren  Kindern  dieselbe  Blume  behandelt.  Wie  wird  sie  den
Kindern  den  Namen  anémone  einprägen?  Sie  hat  kein  anderes
Mittel,  als  ihnen,  meinetwegen  mit  ausgesuchtester  Eleganz  der
Aussprache,  die  Einzelsilben  so  lange  vorzusprechen,  bis  sie  sie  einigermaßen
  behalten:  a—né-mone,  a—né—mone.  Was  können  sich  ihre
Kinder  unter  den  drei  Teilen  des  Wortes  vorstellen?  Höchstens
unter  dem  mittleren  eine  Nase!  Mir  fällt  dabei  gerade  Stoskopfs
Hoflieserant  ein,  der  seinem  unerwünschten  Schwiegersohn  Ebstein
klar  macht,  er  heiße  nicht  Grinsfinger,  sondern  „Grän  —sän
Würde  er  wenigstens  den  singe  nicht  in  zwei  Stücke  —*  5
könnte  sich  auch  der  Franzose  bei  diesem  Wortteil  etwas  denken!

3