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Dank  sein,  daß  ich  mit  seiner  Hülfe  einen  schwachen  Augriff
auf  den  traurigen  Bildungsgötzen  meiner  Landsleute  wage.  So
bin  ich  zu  meiner  Wiesbadener  Nachkur  gekommen.  Wer  mich
also  verklagen  will,  muß  mich  des  Ahnenkultus  bezichtigen,
eines  Verbrechens,  dessen  sich  allerdings  die  Bildungsschwindler
  ersten  Gliedes,  deren  Kinder  sich  mit  den  etwa
nech  lebenden  Großeltern  überhaupt  nicht  verständigen
können,  nicht  so  leicht  schuldig  machen.“)

2  Zuschriften  mit  Unterschrlkt.

Sehr  geehrter  Herr  Amtsbruder!

Leider  nur  eine  Postkarte,  während  ich  Ihnen  beide
Hände  drücken  möchte.  Ihre  Wiesbadener  Rede  unterschreibe
ich  vom  ersten  bis  zum  letzten  Wort.  Als  einer,  der  auch  etliche
Jahre  Bildungsschwindel  getrieben  und  dem  Treiben  zugesehen
hat  (an  der  Sprachgrenze  in  der  Schweiz),  bis  allmählich  sein
Gewissen  erwachte,  sage  ich  Ihnen  heute  meinen  Dank.  Ich
verfechte  seit  etlichen  Jahren  den  Gedanken:  Zweisprachigkeit
bedeutet  Verödung  der  Persönlichkeit  und  schafft  sittlich  und
geistig  minderwertige  Menschen.““)  Bei  uns  ist  der  Schwindel
nicht  so  verbreitet  wie  im  Elsaß,  aber  er  wird  so  eindringlich
(aus  Nützlichkeitsrücksichten)  angepriesen,  daß  ich  seine  Ausbreitung
  befürchte.  Ich  hoffe  sehr,  daß  Ihre  Stimme  Wieder-7)

  Schwieriger  liegt  die  Sache  für  die  Bildungsschwindler
zweiten  oder  gar  dritten  Gliedes,  die  vor  die  Frage  gestellt  sind,
ob  fle  treu  oder  untreu  sein  wollen  gegen  die  Untreue  eines  letzten
Ahnen  gegen  seine  frühern  Ahnen.  Da  sie  meist  unr  von  dem
letzten,  oder  allenfalls  vorletzten  Abnen  zuverlässige  Kunde  haben,
so  liegt  es  für  sie  sehr  nahe,  der  Untrene  tren  zu  sein,  ja  sie  geradezu
für  Elsässertum  auszugeben.  Sie  verdienen  also  für  ihr  bedauerliches
Verhalten  immerbin  die  Abilligung  mildernder  Umstände.

*#)  In  der  Deutsschen  Welt  hatte  ich  geschrieben:  Wenn  allerdings
der  Charakter  durch  dieses  Zwitterspiel  (nämlich  durch  ein  Berhalten,
das  der  Altdeutsche  als  Beweis  für  erfolgte  „Germanisation“,  der
Franzose  als  Trene  gegen  Frankreich  auffaßt)  keine  sonderliche  Veredelung
  erführe,  sondern  selbst  auch  einigermaßen  verzwitterte,  so
wäre  das  nicht  gerade  ein  psychologisches  Wunder.  Ein  Altdeutscher
darf  zwar  eine  Fche  Vermutung  nicht  aussprechen,  sonst  ist  er  ein
frecher  Preuße“  und  ein  Schowinist  dazu.  Nun  wird  man  aber
die  Dichter  des  „Elsässischen  Theaters“  weder  des  Preußentums
noch  des  Schowinismus  bezichtigen  können,  wenn  auch  unverföhnliche
  Welschlinge  z.  B.  einem  Stoskopf  vorwerfen,  er  „verdrecke  sein
eigenes  Nest“.  Als  Maler  von  Beruf  malt  Stoskopf  seine  Landeleute
  nicht  nach  irgend  welcher  Theorie,  sondern,  wic  er  sie  eben  in
Wirklichkeit  sieht.  Nun  nehme  man  einmal  den  Charakter  seineo
„Herr  Mär“  oder  seines  Loflieferanta.  usw.  unter  die  psychologische
Lupe,  prüfe  dessen  edle  Züge  und  sinne  über  den  tieferen  Grund
dieser  Erscheinung  nach.

28.  9.  07.