—  52  —

nicht,  dann  bitte  ich  ihn,  folgendes  zu  erwägen:  Mit  dem
alten  Blatt  ließ  sich  kein  ordentlicher  Bildungsschwindel  treiben.
Wenn  ein  Bauer  es  hielt  —  vielleicht  zu  vergleichenden  Sprachstudien
  —  dann  konnte  der  Nachbar  immer  noch  denken,  er  hält
es,  um  daraus  erst  die  Sprache  der  Bildung  zu  lernen;  und  wer
es  etwa  da  liegen  sah,  der  konnte  den  Bezieher  im  Verdacht
haben,  er  habe  die  deutschen  Spalten  gelesen.  Dieser  Verdacht
fällt  jetzt  weg,  und  auch  der  Bürgerzeitungsschreiber  muß  sich
jetzt,  weil  kein  deutscher  Teil  mehr  da  ist,  an  den  französischen
Teil  halten,  zu  dem  seine  Sprachkeuntnisse  nicht  ausreichen.
Dem  Bildungsschwindel  der  Elsässer  verdankt  er  also  seine  Demütigung
  als  Zeitungsschreiber.  Wir  sind  aber  nicht  alle  Zeitungsschreiber
  und  darum  auch  nicht  in  seiner  Lage.  Für  uns  ist
keine  Zweisprachenbildung  „naturnotwendig“,  während  er
„naturnotwendig"  noch  mehr  als  nur  zwei  Sprachen
verstehen  sollte,  um  alles,  was  in  der  Welt  vorgeht,  verfolgen
zu  können,  wenn  er  sich  nicht  für  jede  Sprache  einen  zuverlässigen
Gehilfen  mit  tüchtiger  Sprachkenutnis  halten  will.  Darum
würde  ich  an  seiner  Stelle  es  nicht  mit  den  schwarzen  Raben
halten,  die  auch  gegen  ihn  krächzen  und  ihn  wegen  ungenügender
Schwärze  verhöhnen,  sondern  ich  würde  mich  erst  besinnen,  ob
angesichts  ihrer  Frechheit  nicht  am  Ende  doch  der  weiße  Rabe
im  Recht  ist,  der  es  gewagt  hat,  gegen  diesen  schwarzen  zudringlichen
  Schwarm,  der  vom  „Bildungsschwindel“  lebt,  seine
Stimme  zu  echeben.

Die  größte  aller  Ehren  und  dazu  ganz  urverdient
hat  mir  aber  unstreitig  das  Journal  de  Cohnar  angetan.  Am
10.  Augst  des  Jahres  feierte  nämlich  die  gesamte  pädagogische
Presse  Deutschlands,  Englands,  der  Vereinigten  Staaten
von  Nordamerika,  Onerreichs,  der  Schweiz,  der  Balkanstaaten
  usw.  den  60.  Geburtstag  unseres  größten  Pädagogen
Prof.  Dr.  Rein  in  Jena.  Von  diesem  Mann  schrieb  genanntes
Blatt  nicht  ganz  zwei  Monate  vorher  (10.  u.  20.#.):  „Tous  les
autres  assistanls  'étaient  endormis  pendant  le  discours  ou,
d'un  ton  monotone,  Forateur  étranger  débitait  des  banelités
de  feuilletonniste  ..  il  naus  dit  avec  l’imperlinence  caractéristigne
  de  lous  les  purvenus  .  ..  Il  a  du  eulot,  M.  le  pro-Kesem
  Rein.  No  lui  arrive-t-il  pas  enror,  au  malheureur,
d'écrire  les  énormitées  snivantes  .  ..  Seul  un  Patagon  mal
dAgrossi  pDourrait  avoir  la  singulisre  audace  8i  M.
I.augel  lil  dans  le  „Tag’  Turticle  du  profoesseur  Rein,  il  en
fora  certsinemenl  une  maladie.  Est-il  donc  assez  grotesiue,
  lenthonsiasme  (#un  notre  brave  prolesseur  témoigne
...  lei  nons  renonçons  à  crommeniter,  var  la  sotlisc  cst  trop
grosse...  res  gens-Ia,  an  fond,  nous  ecnvient