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Ich  habe  in  dem  neulich  erschienenen  Büchlein  von
R.  Pannwitz  „Der  Volksschullehrer  und  die  deutsche  Sprache“
(Buchverlag  der  „Hilse“,  Berlin-Schöneberg),  das  mir  zur
Besprechung  zugesandt  wurde,  viel  mit  meiner  Auffassung
richtiger  formaler  Bildung  Verwandtes  gefunden.  Ich  deute
das  hier  nur  an,  weil  ich  dem  Büchlein  weiteste  Verbreitung
wünsche.  Wie  ich  höre,  steht  bereits  eine  2.  Auflage  bevor.
Wir  wollen  nicht  leugnen,  daß  fremdsprachlicher  Unterricht
so  betrieben  werden  kann,  daß  aus  der  fortwährenden  Verleichung
  der  fremden  Sprache  mit  der  Muttersprache  em
tück  formaler  Bildung  gewonnen  wird.  Allein  diese  formale
Bildung  kaun  man  sehr  viel  billiger  haben.  Schuliuspektor
Menges  in  Bukenheim-Neustadt  (amtlich  „Saarunion"  geschimpft)
  hat  sich  schon  vor  vierzehn  Jahren  das  große  Verdienst
erworben,  auf  den  hohen  pädagogischen  Wert  der  Vergleichung
von  Mundart  und  Schriftsprache  hingewiesen  zu  haben.  Die
elsässischen  Mundarten,  die  in  dem  nunmehr  fertig  gewordenen
elsässischen  Wörterbuch  niedergelegt  sind,  im  Hemmar  mit
einander  und  mit  der  Schriftsprache  zu  vergleichen  in  bezug  auf
Lautstand,  Formenlehre,  Syntax,  Stil  usw.,  auf  die  Grundbedeutung
  der  Wörter,  ihre  Begriffzentwicklung  usw.  einzugehen,
  die  Punkte  nachzuweisen,  worin  elsässische  Mundarten
der  Entwicklung  der  Schriftsprache  vorausgeeilt  sind  und  für
sie  vorbildlich  sein  könnten  und  darum  im  deutschen  Stil
nachgeahmt  zu  werden  verdienten,  dies  und  anderes  der  Art
gr-  eine  hundertmal  werwollere  formale  Bildung  als  die
ressur  aufs  Parlieren.
Daß  sprachliche  Erscheinungen,  die  zwischen  Rhein  und
au  oder  im  deutschen  Lothringen  gewachsen  sind,  irgend
welchen  wissenschaftlichen  oder  gar  Bildungswert  haben  knnten,
das  gehört  auch  mit  zu  den  vielen  Dingen,  die  über  den
Gesichtskreis  und  die  Fassungskraft  unserer  Bildungsschwindler,
die  „aus  zwei  Quellen  zu  schöpsen“  vorgeben,  hinausgehen.
Treff  ich  da  vor  etwa  einem  Jahr  einen  künftigen  Amtsbruder,
  der  einem  älteren  Herrn,  den  ich  besuchen  wollte,
zur  Aushilfe  beigegeben  war.  Wir  unterhalten  uns  eine  Weile,
und  ich  mache  mir  Gedanken,  wie  der  norddeutsche  junge  Mann
zur  Anstellung  in  unserer  Laudeskirche  komme.  „Ich  gehe
wohl  nicht  fehl“,  sagte  ich,  „wenn  ich  Ihrer  Sprache  nach
vermute,  daß  Sie  aus  Berlin  sind.“  —  „Entschuldigen  Sie,
ich  bin  ja  Straßburger.“  —  „Haben  Sie  deun  dieses  Deutsch
von  Jugend  auf  geredet?“  —  „Nein,  im  Elternhaus  hab  ich
uur  französisch  geredet.“  —  „Auf  diese  Weise  kann  ich  mir  die
cheinung  erklären;  denn  an  Ihnen  ist  kein  elsässischer
Fadem.  Wenn  das  Elternhaus  das  Elsässertum  zuerst  durchs
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