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zweite  Monat  zu  deutsch  nicht  Hornung,  sondern  Februar
heiße,  erfuhren  die  Elsässer  eigentlich  erst  durch  die
preußischen  Beamten,  die  das  Wort  in  amtlichen  Schriftstücken
beanstandeten.  Und  so  ist  es  auch  mit  den  anderen  deutschen
Monatsnamen.  Nur  das  Fremdwort  April  ist  auch  elsässisch.

Aber  auch  sprachlehrlich  ist  aus  unseren  Mundarten  für
die  Schriftsprache  unendlich  viel  zu  lernen:  Die  Sprachgeschichte
ist  eine  unnnterbrochene  Kette  von  abgeworfenen  Biegungsendungen,
  man  vergleiche  z.  B.  Lateinisch  mit  seinen  romanischen
Tochtersprachen  oder  Gotisch  mit  irgend  einer  neueren  germanischen
  Sprache.  Nun  ist  in  dieser  Beziehung  jede  elsässische
Mundart  der  Schriftsprache  überlegen.  Die  Schule  haudelt
darum  sehr  verkehrt,  wenn  sie  z.  B.  die  Schüler  anleitet  „dem
Manne“  statt  „dem  Mann“  zu  sagen  und  zu  schreiben.  Die
Mundarten  können  ihr  allein  den  richtigen  Weg  weisen,  weil
sie  sich  frei  entwickelt  haben  und  darum  zeigen,  wohin  die
Natur  will.  Ein  Einblick  in  das  Walten  des  Sprachgeistes,
oder  ohne  Bild  geredet,  in  die  natürlichen  Ursachen  der  Sprachentwicklung,
  die  wiederum  im  menschlichen  Geist  und  in  dem
Umstand  begründet  sind,  daß  jede  neue  Geschlechtsfolge  die
Sprache  neu  erlernen  muß  und  sie  nie  genau  so  lernt,  wie  sie
sie  tatsächlich  gehört  hat,  das  wäre  meines  Erachtens  eine  weit
wertvollere  formale  Bildung  als  was  unsere  Schulweisheit
dafür  ausgibt.  Aber  freilich,  die  kann  man  nicht  an  fremden
Sprachen,  sondem  nur  an  der  Sprache  lernen,  die  einen
umgibt.  Nur  da  kann  man  dem  Wamm  der  verschiedenen
sprachlichen  Erscheinungen  nachforschen,  man  kann  das  sprachliche
  Werden  samt  seinen  treibenden  Ursachen  erkennen;  dagegen
  bei  einer  so  entfernt  verwandten  Sprache  wie  der
französischen,  wo  zur  Erkenntnis  der  Verwandtschaft  umfangreiche
  sprachliche  Vorkenntnisse  nötig  sind  —  man  denke  z.  B.
an  die  Verwandtschaft  von  französisch  „qui“  (lateinisch  quis)
und  deutsch  „wer“  (gotisch  hwis)  —  muß  notgedrungen  auf
alles  Nachdenken  über  das  Werden  der  Sprache  verzichtet
werden,  und  der  Unterricht  wird  zum  bloßen  gedächtnisbelastenden
  Drill.  Man  muß  öfter  mit  „gebildeten“  Elsässern  in
ein  Gespräch  über  sprachliche  Dinge  gekommen  sein,  um  zu
wissen,  wie  unsäglich  arin  an  formaler  Bildung  sie  ihr  welscher
Drill  gelassen  hat.  Im  tiefsten  Blödsinn  der  französischen
Grammatiker  verehren  sie  unergründlichste  Weisheit;  mit
französischer  Verzerrung  italienischer,  spanischer,  holländischer,
englischer,  ja  selbst  deutscher  Namen  glauben  sie  Bildung
markieren  zu  können!

Will  man  den  sprachlichen  Blick  unserer  Seminaristen
über  die  Muttersprache  hinausführen,  so  gebe  man  ihnen

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