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Beispiele  sprachlicher  Erscheinungen  aus  den  verschiedensen
Sprachen,  man  behandele  z.  B.  in  der  Lautlehre  auch  eine
Anzahl  fremder  Laute  mit,  wobei  festzustellen  wäre,  daß  sie
beim  Sprechenlernen  unserer  Kinder  gelegentlich  als  Ersatzt
für  deutsche  Laute  vorkommen;  man  zeige  ihnen  die  Reihenfolge,
  in  der  fremde  Sprachen  die  Worte  stellen;  sage  ihnen,
daß  Latein  drei  Geschlechter,  die  romanischen  Sprachen  zwei,
viele  Sprachen  keins  unterscheiden,  afrikanische  Sprachen
sogar  bis  16.  Daß  es  Sprachen  gibt  ohne  Artikel  (z.  B.  Latein
und  die  slavischen  Sprachen),  andere,  die  den  Artikel  anhängen
(nordische  Sprachen  und  einzelne  semitische);  Sprachen  ohne
Abwandlung  des  Zeitworts  und  des  Hauptworts  (3.  B.
chinesisch)  und  dergleichen  Dinge  mehr.  Auch  auf  den  Zusammenhang
  zwischen  Schrift  und  Sprachentwicklungstempo,
z.  B.  im  Deutschen  langsam,  bei  der  chinesischen  Begriffsschrift
  schnell,  könnte  hingewiesen  werden.  Diese  Mitberücksichtigung
  aller  Hauptmittel,  mit  denen  der  menschliche  Geist
seine  Gedanken  ausdrückt,  gelegentlich  angeknüpft  an  Beobachtungen
  am  eigenen  Sprachleben,  Vergleich  zwischen  der
Sprache  der  Alten  und  Jungen  in  einem  Dolh  alles  das
würde  den  sprachlichen  Blick  mehr  erweitern,  das  eigene
Nachdenken  und  Beobachten  sprachlicher  Erscheinungen  mehr
fördern  als  der  Eindrill  irgend  einer  einzelnen  Fremdsprache.
Selbstverständlich  wäre  dabei  das  Französische,  weil  es  die
Sprache  unserer  Gebildeten  ist,  sorgfältigst  mitzuberldssichtigen,
etwa  in  der  Seite  25—35  angedeuteten  Weise.

Wenn  die  Erkemunis  der  verschiedenen  Mittel,  die  verschiedene
  Sprachen  zum  Gedankenausdruck  verwenden,  eine
wertvolle  Verstandesübung  ist,  so  muß  übrigens  diese  Ubung
um  so  wertvoller  sein,  je  fremder  die  Sprache  ist,  mit  der  wir
uns  beschäftigen.  Das  Chinesische  wäre  also  z.  B.  ein  wertvolleres
Mittel  zu  formaler  Bildung  als  irgend  eine  arische  Sprache.

Aber  auch  die  beste  formale  Bildung  ist  eben  nur  eine
sormale,  eine  förmliche  Bildung,  die  sich  auf  die  Formen  der
Dinge  beschränkt,  die  diese,  nicht  in  Wirklichkeit,  sondern  nur
im  Spiegel,  bzw.  in  den  vielen  Spiegeln,  des  menschlichen
Geistes  angenommen  haben.  Das  ist  gewiß  an  und  für  sich
eine  sehr  anziehende  Wissenschaft.  Aber  sie  wäre  ein  Unglück,
wenn  es  nur  Menschen  gäbe,  die  sich  darauf  beschränken  würden
und  über  der  Beschäftigung  damit  das  Erkennen  der  Wirllichkeit
  versäumten.  Und  sie  ist  ein  Unglück,  wenn  irgend
eine  amtliche  Wertschätzung  zu  ihren  Gunsten  einen  Druck
auf  die  Menschen  ausübt,  so  daß  nur  der  als  gebildet  gilt,
der  sie  besitzt.  Auch  hier  rufe  ich  „Arbeitsteilung“!