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Sonntag  mir  von  der  Post  angebotene  Drucksache  mit
welscher  Aufschrift  Deine  Verlobung  betraf.  Ich  habe  die
betreffende  Sendung  wie  jede  andere  derart,  die  einen
ehrlichen  deutschen  Pfarrer,  der  stolz  darauf  ist,  in  Luthers
Sprache  Gottes  Wort  verkünden  zu  dürsen,  „pastör“  schimpft,
gleich  an  der  Schwelle  abgewiesen.  Ich  will  niemand  und
ganz  besonders  Dir  nicht  zu  nahe  treten  und  etwa  sagen,
Du  hättest  Dir  überhaupt  jede  Veröffentlichung  Deines
deutschen  Namens  in  welscher  Sprache  verbitten  dürfen,
ohne  daß  jemand  daraus  Dir  einen  Vorwurf  hätte  machen
können;  aber  soviel  glaube  ich  behanpten  zu  dürfen,  man
kann  als  guter  echter  Elsässer  den  Welschlingssitten,  also
der  völkischen  Untreue  seiner  Landsleute,  nie  schroff  genug
entgegentreten,  und  jeder  Sieg,  den  man  erringt,  indem
man  vornehme  elsässische  Kreise  zur  öffentlichen  Anwendung
der  deutschen  Sprache  vor  ihresgleichen  zwingt,  ist  eine
Bresche,  die  man  in  die  feindliche  Burg  geschossen  hat.  Die
elsässische  Frage  ist  hauptsächlich  eine  Bildungs-  und
Sprachenfrage,  und  darum  soll  man  sich  als  Mann,  der  es
mit  feinem  Volke  gut  meint,  solche  günstige  Gelegenheit
nie  entgehen  lassen.  In  der  Hoffnung,  Dich  nächstens  zu
sehen,  grüßt  in  deutscher  Treue  Dein

Haus  Spiser.

Kurz  nach  diesem  Brieswechsel  treffe  ich  meinen  Freund
mal  zufällig  an  der  Bahn,  wo  er  vor  der  Türe  eines  Eisenbahnwagens
  steht  und  mit  Damen  drinnen  spricht.  Ich  höre  gerade
noch  seine  Worte  „vendredi  à  onze  heures“.  Do  fährt
der  Zug  ab,  und  als  er  sich  umdreht,  erblickt  er  mich,  wird
feuerrot  und  sagt:  „Nun  hast  du  mich  aber  mal  ertappt.“  —
„Allerdings“,  erwidere  ich,  „nicht  auf  ctwas,  das  dir  die  Welt
übelnimmt;  im  Gegenteil.  Aber  ich  fürchte  für  mein  Teil,
daß  du  nun  für  unser  deutsch-elsässisches  Volkstum  verloren
bist.  Und  das  bedaure  ich,  denn  ich  habe,  seit  ich  dich  kenne,
große  Freude  an  dir  gehabt.“  —  „Na,  ich  hofse,  du  wirst  sie
auch  sernerhin  an  mir  haben.  Du  brauchst  nicht  gleich  so  schwarz
zu  sehen.“  —  „Ich  sehe  nicht  schwarz,  ich  denke  nur  an  das
Sprichwort:  Wenn  man  dem  Teufel  den  Finger  gibt,  dann
nimmt  er  die  Hand,  und  wenn  er  die  Hand  hat,  dann  nimmt
er  den  ganzen  Mann.“

Nach  einiger  Zeit  erhielt  mein  Freund  eine  bessere  Stelle
mitten  in  „gebildeter“  Umgebung.  Ich  sah  ihn  seit  Jahren
nicht  mehr.  Nun  fügt  es  ein  Zufall,  daß  ich  genau  sieben
Jahre  nach  dem  Datum  seines  obigen  Briefes  eine  Dame
treffe,  die  ost  in  sein  Haus  kommt.  Ich  erkundige  mich  nach