selben  in  deutscher  Sprache  zu  beantworten,  was  mir  nicht
schwerer  fällt  als  meine  französische  Rede.  Dies  Wohlgefühl,
die  Sprachmittel  zweier  großer  Kultuwölker  gleich  füestend
und  doch  wenigstens  einigermaßen  nach  ach  miussbrach  n
Inhalt  korrekt  zu  sprechen,  treibt  mich  zu  fingk.
betrachtungen  an,  und  ich  danke  meinerseits  dem  lieben
Gott,  daß  ich  in  der  Lage  bin,  Leuten  von  verschiedener  Zunge
das  mitzuteilen,  was  wertvoller  ist  als  das,  was  das  ungetrübteste
  Bolkstum  einem  geben  kann.  Von  da  aus  wirst
Du  die  Küuft  bemessen  können,  die  uns  in  dieser  Sprachenfrage
  trennt,  und  ich  will  uur  eines  hoffen,  daß  sie  nicht  dazu
beitrage,  unfere  freundschaftlichen  Gefühle  zu  beeinträchtigen.
Was  ich  von  meinen  Vätern  ererbt,  das  ist  mir  heilig,  und
dazu  gehört  auch  dieses  Vorrecht,  in  zwei  Kulturgebieten
mich  heimisch  zu  fühlen.  22

Darauf  antwortete  ich:
Daß  Du  als  Pfarrer  im  lianeichen  Sprochgebtet

der  E  Mann  am  rechten  Platze  Deiner  Zweisprachigkeit,
  habe  ich  nie  wlens  Dle  Gebiet  erfordert
solche  Pfarrer,  sagen  wir  also,  für  das  ganze  Land  sind
deren  etwa  sechs,  jcdensfalls  nicht  viel  mehr,  nötig.  Das  darf
nicht  der  Maßstab  für  die  250  übrigen  Amtsbrülder  sein.
Dein  Ideal  der  Teilnahme  der  Elsässer  an  der  Kultur  zweier
Völker  ist  zwar  ganz  edel  gedacht,  kann  aber  nie  für  einen
gazen  Volksteil  Wirklichkeit  werden.  Tatsächlich  ist  das
Welschreden  der  meisten  Elsässer  weiter  nichts  als  Hochmut
und  unsoziale  Uberhebung  über  ihresgleichen;  und  der  Gipfel
ihres  Bildungsschwindels  liegt  nach  der  Buffassung  der
meisten  im  Keindeutschmehrkönnen,  nicht
im  Daheimsein  in  zwei  Kulturen.  Daß  die
Elsässer,  die  aus  dem  Elsaß  nach  Frankreich  (oder  der  fmuzösischen
  Schweiz)  auswandern,  jedenfalls  Dein  Zweisprachenideal
  nicht  teilen,  beweist  der  Umstand,  daß  sie  dort
ast  nie  mit  ihren  Kindern  deutsch  reden.  Als  ich  letzten
Sommer  im  Waadtlaud  in  der  Sommerfrische  war,  besuchte
  ich  einen  Dir  persönlich  sehr  nahe  stehenden  technischen
Hochschullehrer,  einen  elsässischen  Psarrerssohn,  dem  ich
einst  als  Student  Mathematikstunden  bis  zu  den  Anfängen
der  Disserentialrechnung  gegeben  hatte.  Von  seinen  bis
dreizehn  Jahren  alten  Kindern  kounte  kein  einziges  deutsch.
Nachher  traf  ich  im  Münstertal  eine  nach  Frankreich  ausgewanderte
  elsässische  Familie.  Bater  und  Mutter  sprachen
ihr  angestammtes  Elsässer  Deutsch  noch  recht  geläufig,  der
Sohn,  der  im  Begriff  ist,  seine  letzte  Prüfumg  als  Aczt  zu