verträge,  die  künstig  aufgestellt  würden,  deutsch  sein  müßten,
sonst  könne  er  für  nichts  gut  sein.

Vor  einigen  Jahren  kam  die  Enkelin  eines  hiesigen
Krämers  zu  mir,  die  ihrem  Großvater  die  Geschäfte  besorgte,
  und  brachte  mir  eine  französische  Rechnung,  die  von
einem  Großhändler  in  Pfalzburg  oder  Zabern,  woher  sie
die  Waren  bezogen,  eingelaufen  war,  mit  der  Bitte,  sie  zu
übersetzen.  Der  Großvater  habe  in  seiner  Jugend  noch  kein
Französisch  gelernt,  und  sie  könne  es  anch  nicht.  Ich  sagte
ihr,  ich  werde  allerdings  oft  als  Dolmetscher  in  Anspruch
genommen,  um  meinen  Pfarrkindern  und  Andern  englische
Schriftstücke  aus  Amerika  oder  unsern  Italienern  amtliche
Sachen  aus  Italien,  von  denen  sie  Übersetzungen  brauchten,
zu  übersetzen.  Ich  tue  das  immer  mit  Freuden.  Auch  für
Schriftstücke  aus  Frankreich  sei  ich  stets  zu  gleichem  Dienst
bereit.  Dagegen  würde  es  mich  mein  Leben  lang  reuen,  wenn
ich  jetzt  die  Schwachheit  hätte,  die  Ungezogenheit  dieser
frechen  Welschlinge  gegen  uns  echt  gebliebene  Eisässer  durch
Dolmetscherdienst  zu  unterstlitzen.  „Sie  schicken  einfach  die
Rechnung  mit  der  Bitte  um  llbersetzung  zurück  und  ziehen
die  10  Pfennige  bei  der  Bezahlung  des  Betrags  ab.“  Das
geschah  so,  und  die  Krämersleute  erhielten  von  der  Seite
nie  wieder  eine  welsche  Zuschrift.  Für  die  Logik  der  Bildungsschwindler
  bedeuten  aber  alle  diese  Fälle,  daß
französischer  Unterricht  für  unser  ganzes  Volk  ein  dringendes
Bedürfnis  ist.

IX.  Das  franzssische  Sprachgebiet  im  Reichsland.

Etwa  ein  Siebentel  des  Reichslandes  ist  von  einer
romanischen  Bevölkerung  bewohnt.  Eine  genaue  Zeichnung
der  Sprachgrenze  sinden  wir  in  den  beiden  Schriften  von
I0r.  This  „Die  Sprachgrenze  in  Lothringen"  (Straßburg  1887)
und  „Die  Sprachgrenze  im  Elsaß"  (Straßburg  1888)2).  Wenn
auch  an  einzelnen  Stellen  dieses  Gebietes  sich  noch  Spuren
nachweisen  lassen,  daß  einst  auch  hier  deutsche  oder  doch
sprachlich  gemischte  Bevölkerung  gewohnt  haben  muß  —
Oberlin  soll  z.  B.  noch  in  beiden  Sprachen  gepredigt
haben  —  so  ist  doch  die  heutige  Bevölkerung  als  romanische
zu  betrachten.  Darauf  weist  schon  der  Umstand,  daß  meist  nicht
Schriftsranzösisch  gesprochen  wird,  sondern  davon  stark  verschiedene
  romanische  Mundarten,  patois,  mit  denen  sich  kein
Bildungsschwindel  treiben  läßt.  Wenn  ich  darum  aus
sozialen  Gründen  die  Welschelei  der  vornehmseinwollenden

IAuch  die  verdienstvolle  Schrift  von  or.  J.  Petersen  (s.  S.  3
Anm.)  enthält  eine  gute  Sprachkarte.