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2.  Die  Sprachenfrage  als  elsassischen  Kulturpreblen.
(Gedanken  eines  Altelsässers.)

Die  in  Nr.  954  dieses  Blattes  (vom  31.  Augst  d.  J.)  verösfentlichten
  „Gedanken  eines  Altelsässers“  über  die  elsässische
Kultursrage  haben  seltsamerweise  —  wenigstens  soviel  mir
bekannt  ist  —  bis  heute  in  der  elsässischen  Presse  kein  Echo  gesunden.
  Das  ist  umso  unbegreiflicher,  als  diese  Ausführungen
nicht  nur  als  eine  sehr  beachtenswerte  Auseinaudersetzung  mit
den  von  Justizrat  Dr.  Ruland  hier  vertretenen  Anschauungen
gewürdigt  werden  müssen,  sondern  auch  das  ganze  Problem
in  ein  vermutlich  für  die  meisten  Leser  ganz  neues  Licht  gerückt
haben.  Sofern  altdeutsche  Leser  sich  mit  der  Kennzeichnung
gewisser  Erfolge  des  Deutschtums  im  Elsaß  als  einer  deutschen
„Oberslächenkultur“  glauben  in  Widerspruch  setzen  zu  müssen,
wird  es  ihre  Sache  sein,  unsern  die  Verhältnisse  nüchtern  beurteilenden
  Landsmann  vor  ihre  Feder  zu  fordern.  Noch  ein
weit  größeres  Interesse  sollten  jedoch  wir  Alelsässer  daran
haben,  uns  zu  der  uns  zugeschobenen  Pflicht  zu  äußern,  die
Frage  der  deutschen  Kultur,  also  insbesondere  der  deutschen
Sprache  in  unserem  Heimatlande  als  eine  solche  anzusehen,
die  zunächst  nicht  die  Regierung,  sondern  uns  selber  angeht,  da
sie  geradezu  die  „Schicksalsfrage“"  für  dieelsässische
Kulturentwicklung  bedeutet.  Vielleicht  hat  manch  ein
elsassischer  Leser  den  springenden  Punkt  in  den  „Gedanken
eines  Altelsässers“  nicht  deutlich  genug  erfaßt,  sondern  in  dem
Verfasser  einen  Eideshelfer  der  Regierung  vermutet,  der  es  so
übel  genommen  wird,  daß  sie  unserem  Volke  fortgesetzt  bis  in  die
neueste  Zeit  hinein  an  eines  seiner  Hauptheiligtünmer,  den
Gebrauch  der  französischen  Sprache,  zu  greifen,  für  ihre  germanisatorische
  Aufgabe  ansieht.  Gewiß,  die  Regierung  hat
dabei  nicht  immer  geschickte  Hände  gezeigt.  Aber  mag  sie  für
als  schikanös  empfundene  Maßregeln  ihrer  untergeordneten
Organe  verantwortlich  sein  oder  nicht,  wenn  sie  damit  etwas
schadet,  so  schadet  sie  zunächst  sich  selber;  und  wenn  sie  entgegen
allen  Gesetzen  der  Rassenpsychologie  damit  einen  positiven
Ersolg  erzielen  sollte,  so  ist  es  doch  nur  ein  äußerlicher  Ersolg.
Beides  braucht  uns  als  Elsässer  zunächst  garnicht  zu  interessieren.
Dagegen  ist  denn  doch  die  andere  Frage  unseres  emnstesten
Nachdenkens  wert,  ob  nicht  wir  Elsässer  selber
durch  unsere  gedankenlose  Liebhaberei  für
den  Gebrauch  des  Französischen  und  durch
unsere  ebenso  unzuläuglich  begründete
Scheu  vor  dem  Gebrauch  des  Schriftdeutschen
  alsgebildete  Verkehrssprache  unsere
allereigensten  Kulturinteressen  in  un-