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3.  sind  diejenigen  Kreise  zu  nennen,  in  denen  wirkliche
Bildung  französischen  Gepräges  und  französischer
  Herkunft  zuhause  ist,  oder  auch,  wo  der  Glanz
der  äußeren  Lebenshaltung  den  Mangel  an  solcher  Bildung
auszugleichen  oder  zu  verbergen  vermag.  Bei  den  einen  wie
bei  den  andern  ist  jeder  deutsche  Laut  streng  verpönt,  obwohl
vielleicht  noch  Vater  und  Mutter  keine  Silbe  französisch  gekonnt
haben.  Die  Kinder  können  weniger  deutsch  als  der  Vater,  vom
Großvater,  der  vor  70  gelebt  hat,  ganz  zu  geschweigen.  Diese
Volksklasse  sättigt  sich  geflissentlich  mit  französischer  Kultur,
wie  in  der  äußeren  Lebenshaltumg,  was  Hausrat,  Küche  und
Toalette  anbetrifft,  so  auch  in  ihrer  geistigen  Bildung  durch
Literatur  und  Kunst.  Man  will  den  Zusammenhang  mit  der
französischen  Kultur  bewußt  aufrecht  erhalten,  und  stände
einem  dafür  auch  kein  anderes  Mittel  zu  Gebote  als  das  Abonncment
  auf  eine  französische  Zeitung  oder  das  Lesen  französischer
Romane.

4.  In  eine  ganz  andere  Welt  glauben  wir  uns  versetzt,
wenn  wir  die  immerhin  schon  ansehnliche  Schar  der  unteren
und  mittler.en  staatlichen  Beamten,  die  zumeist
  dem  Bürger-  und  Bauernstande  entstammen,  uns  vergegenwärtigen.
  Hier  hat  die  „Germanisation“  ihre  Wirkung
getan.  Wie  sollte  auch  die  Arbcit  im  deutschen  Staatsdienste
nicht  unwillkürlich  die  Sprache,  Sitte  und  Denkart  dieser  unserer
Landsleute  beeinflussen!  Dieser  Einfluß  nimmt  allerdings  in
demselben  Maße  ab,  als  die  soziale  Stellung  und  der  wissenschaftliche
  Bildungsgrad  der  Beamten  und  Staatsdiener
elsässischer  Herkunft  sich  hebt.  Ein  bewußtes  Deutschtum  im
kulturellen  Sime  —  von  politischer  Loialität  ist  in  diesem  Zusammenhange
  natürlich  nicht  die  Rede  —  ist  in  den  Kreisen  der
Anwälte,  Notare,  Arzte,  Apotheker  und  selbst  der  akademisch
gebildeten  Lehrer  und  Pfarrer,  wenn  man  den  Gebrauch  des
Schriftdeutschen  als  Umgangssprache  dafür  zum  Maßstabe
nimmt,  nur  vereinzelt  anzutreffen.

Es  liegt  auf  der  Hand,  daß  die  Bevorzugung  des  Französischen
  in  den  wirtschaftlich  und  geistig  gehobenen  elsässischen
Bevölkerungskreisen  die  natürliche  Neigung  hat,  nach  unten
hin  ihren  vorbildlichen  Einfluß  geltend  zu  machen.  Es  wäre
ja  gerade  zum  Verwundern,  wenn  es  anders  wäre.  Während
nun  aber  überall  sonst  in  der  Welt,  sei's  in  Deutschland  oder  in
Frankreich  oder  wo  immer,  wie  der  geistige  Besitz  überhaupt,
so  auch  namentlich  die  Sprache  in  dem  Mutterboden  des  Volkstums
  wurzeln  und  in  der  naturgemäßen  Richtung  von  unten
nach  oben  sich  entwickeln,  so  stehen  wir  im  Elsaß  dem  eigenartigen
  Tatbestande  gegenüber,  daß  eine  nicht  boden-