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ständige,  fremdländische  Kultur  und  Sprache
die  Höhen  beherrscht  und  von  da  in  die
Tiefen  sickert.  Daß  dies  ein  unnatürlicher  und  auf  die
Duuer  -eltharer  Zustand  ist,  sollte  doch  unschwer  zu  begreifen
  sein.

Dieser  Zwittercharakter  der  elsässischen  Kultur  war  vor
dem  Kriege  noch  einigermaßen  zu  ertragen,  da  er  durch  die
harte  politische  Notwendigkeit  geboten  war.  Zudem  winkte
diesem  Mißverhältnisse  damals  insofern  eine  Lösung,  als  man
sich  mit  größerem  oder  geringerem  Rechte  der  Hoffnung  hingab,
  das  Elsaß  werde  1  von  Jahr  zu  Jahr  mehr  für  die
französische  Kultur  gewonnen  werden,  deren  Lebenssäfte  durch
tausend  Kanäle  befruchtend  in  das  elsässische  Geistesleben  eindrangen.
  Aber  diese  Vomussetzung  ist,  ganz  abgesehen  von
der  Frage  nach  ihrer  psychologischen  Möglichkeit,  durch  den
Amschmung  2  de-  Jahres  1871  gegenstandslos  geworden.  Mit

en  Fäden  der  politischen  Zusammengehörigkeit  sind  auch  die
S3  der  Kultur  bis  auf  einen  schmalen  Rest
abgeschnitten  worden.  Die  französische  Kultur  im  Elsaß  mußte
infolgedessen  seit  dem  Kriege  im  selben  Maße  verkümmern,  als
die  persönlichen  und  geistigen  Beziehungen  über  die  Grenze
hinüber  von  Jahr  zu  Jahr  spärlicher  geworden  sind.  Es  ist
doch  einfach  nicht  zu  u  Aüh  daf  die  sozial  höchststehende  und
tonangebende  Schicht  der  elsässischen  Bevölkerung,  die  Geld
ariflokratie,  den  wirklich  führenden  Geistern  Frankreichs  fern.
steht.  Und  selbst  wenn  es  anders  wäre,  und  ganz  vereinzelt
auch  tatsächlich  anders  sein  mag,  so  müssen  doch  alle  noch  so
krampfhaften  Bersuche,  dem  Elsaß  französische  Kultur  zu  erhalten,
  unfehlbar  jeclchiagen.  dank  der  unerbittlichen  Logik
der  Gesetze  des  Geisteslebens.  Die  französische  Kultur  im  Elsaß
ist  schon  heute  nicht  viel  mehr  als  ein  dünner  französischer  Firnis.
Ein  vorurteilsloser,  gebildeter  Franzose,  der  das  Elsaß  auf
seine  heutige  kulturell-nationale  Beschaffenheit  hin  studieren
wollte,  würde  eine  beschämende  Rückstäudigkeit  gegenüber
dem  Kulturgmde  seines  Vaterlandes  feststellen  müssen,  und
sich  auch  vermutlich  gar  nicht  über  dieses  Ergebnis  wundern.

Man  sollte  nun  meinen,  auch  im  Elsaß  müßte  allmählich
die  Erkenntnis  ausdämmern,  daß  man  nicht  fernerhin  so  fortfahren
  könne,  als  wäre  1870  nie  gewesen,  oder  als  hätte  der
Franlfurter  Friede  bloß  die  Sprache  des  Stenerzettels  und
die  Uniform  der  wehrpflichtigen  Elsässer  geändert.  Von  dieser
Erkenntnis  ist  man  leider  Gottes  im  Elsaß  noch  himmelweit
entfernt,  laum  eine  Ahnung  davon  ist  in  den  Köpfen  zu  finden.
Einzelne  wenige,  geistig  hochstehende  Elsässer,  die  französisches
Wesen  mit  der  Muttermilch  eingesogen  haben  und  #n