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französisch  geschult  worden  sind,  surd  hellsichtig  geuug,  den  unaufhaltsamen
  Prozeß  der  inneren  Loslösung  der  Elsässer  vom
französischen  Kultureinflusse  zu  erkennen  und  —  zu  beklagen.
Die  breite,  nur  welsch  überhauchte  Schicht  der  typischen  elsässischen
  Geistesträger  fragt  verwundert:  Wo  ist  denn  etwas
nicht  in  Ordnung,  abgesehen  etwa  von  dem  politischen  Ergebnis
des  Krieges?  Reichen  ihre  französischen  Sprachkenntnisse  denn
nicht  aus,  um  den  unwissenden  Bauern  und  den  „frechen
Schwoben“  zu  imponieren  und  ihren  französischen  Geschäftsfreunden
  und  dem  Publikum  der  französischen  Sängerfeste
Achtung  und  patriotisches  Bedauern  abzugewmnen?  Es  wäre
ein  Unrecht,  diesen  Leuten,  die  den  Wert  einer  gewissen  fotmalen
  Bildung  durch  ihre  Berühmung  mit  fremder  Art  und
Sprache  naturgemäß  erheblich  überschätzen,  daraus  einen  Vorwurf
  zu  machen.  s  wissen  sie  davon,  was  wirklich  Bildung
ist,  sie  sei  nun  französisch  oder  deutsch?  Von  ihnen  kann  man
allerdings  billigerweise  nicht  erwarten  noch  verlangen,  daß
sie  die  Aussicht  bedrückt,  das  Elsaß  könnte  zu  noch  guerer
kultureller  Bedeutungslosigkeit  herabsimken,  als  es  dank  seiner
geistigen  Unfruchtbarkeit,  diesem  Fluche  alles  Zwitterwesens
in  Natur  und  Geistesleben,  heute  schon  der  Fall  ist.  Ihr  Weizen
blüht;  daß  aber  der  Mensch  und  ebenso  ein  Volk  nicht  von  Brot
allein  lebt,  diese  Einsicht  geht  über  ihren  Gesichtskreis  hinaus.
Viel  bedauerlicher  indessen  und  allgemein  zu  wenig  gewürdigt
ist  die  Tatsache,  das  selbst  das  junge,  auf  deutschen  höheren
Schulen  des  Elsaß  im  Geiste  deutschen  Wissens  ausgebildete
Geschlecht,  das  die  geistige  Führung  seiner  Landsleute  im
gleichen  Geiste  zu  übernehmen  bernfen  ist,  diese  seine  Aufgabe
noch  inmier  so  gänzlich  verkennt.  Diesen  jungen  Intellektuellen
und  Akademikern  nußdoch  in  ihren  Gymnasial=  und  Universitätsjahren
  eine  Ahnung  davon  aufgedämmer  sein,  daß  die  naturgegebenen
  Wegweiser  ihrer  Geistesentwicklung  jensetts  des
Rheines,  nicht  jeuseits  der  Vogesen  zu  suchen  sind.  Sie  mögen
die  feine  Anmut  der  französischen  Prosaisten  anempfindend
genießen  und  den  Schwulst  der  französischen  Lyrik  mit  gutem
deutschen  Magen  verdauen  können  —  wollen  sie  sich  auf  ihr
ureigenstes  Wesen  besinnen,  so  müssen  ihnen  ihre  Pulse  höher
schlagen,  wenn  sie  in  die  Dichterwerke  eines  Schiller  und  Göthe,
eines  Keller  und  Storm,  eines  Reuter  und  Raabe  sich  versenken.
Das  ist  nun  einmal  Fleisch  von  unserm  Fleisch  und  Geist  von
unserm  Geist.

Viele  enipfinden  denn  auch  so.  Eine  Zeit  laug.  Bis  sie
sich  eines  Tages  —  zumeist  unter  dem  Einflusse  der  holden
Weiblichkeit  —  zu  einer  praktischeren  Deukart  bekehren  und  die
Llicken  ihrer  gesellschaftlichen  Bildung  etwa  durch  einen  Auf-