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Leben  keinen  oder  nur  seltenen  Gebrauch  zu  machen.  Ist  doch
der  ganze  Bildungsgang  unserer  höheren  Töchter,  wie  mir
scheint,  so  einseitig  auf  die  Vermittlung  sprachlichen,  in  unserem
Falle  also  französischen,  Wissens  angelegt,  daß  die  Selbsttäuschung
  der  Schülerinnen  über  den  sehr  bescheidenen  sachlichen
  Wert  dieser  sormalen  Bildung  begreiflich  erscheint.
Mehr  noch,setzen  doch  selbst  die  Lehrmittel  mancher  elsässischen
Pensionate  schon  auf  der  untersten  Stufe  französisch  redende

lerinnen  voraus  zum  Schaden  der  wenigen  Kinder,  die
so  unglücklich  sind,  an  der  Hand  ihrer  Muttersprache  in  die  Welt
der  Erkenntnis  hineinzuwachsen.

Indessen  der  Unfug  der  Zweisprachigkeit  im  Elsaß  unterliegt
  auch  vom  sozialen  Gesichtspunkte  aus  schweren  Bedenken.
Die  gebildeten  jungen  Elsässer  schwärmen  vielleicht  sonst  für
den  sozialen  Geist,  der  in  unserer  Zeit  allenthalben  in  den
oberen  Kreisen  verheißungsvoll  sich  zu  regen  beginut.  Aber  an
ihrem  Teile  richten  sie  durch  den  Gebrauch  einer  vornehmer
sein  sollenden  fremden  Sprache  eine  fast  unübersteigbare
soziale  Scheidewand  zwischen  sich  und  „dem  Volke“  auf.  Sie
machen  das  welsche  Reden  zum  Zunftmeisterstück,  das  dem
Volk  den  Zugang  zu  ihrer  vornehmen  Kaste  erschließt  Zugleich
  berauben  sie  sich  auf  diese  Weise  der  Möglichkeit,  ihren
Besitz  an  wirklicher  Bildung,  den  sie  den  aus  Volksmitteln
unterhaltenen  höheren  Bildungsanstalten  verdanken,  nach
Kräften  an  das  Volk  weiterzugeben.  Schämen  sie  sich  doch  der
Sprache,  die  das  Gefäß  darstellt,  in  dem  sie  selber  ihren  Besitz
überkommen  haben  —  und  mehr  als  nur  das  Gefäß.  Während
sonst  in  Frankreich  und  in  Deutschland  die  Schriftsprache  als
die  vornehmste  Kulturträgerin  hoch  und  niedrig  verbindet  und
das  Volk  zu  höherer  Intelligenz  emporzuheben  vermag,  hört
im  Elsaß  der  Mann  aus  dem  Volke  im  Munde  seiner  Gebildeten
das  Schriftdeutsche  nur  da,  wo  sie  es  berufsmäßig  sprechen
müssen.  Wie  einst  im  Mittelalter  das  Latein,  so  ist  im  heutigen
Elsaß  das  Französische  das  Bildungsgeheimnis  der  Vornchmen
und  das  Bildungshindernis  der  Geringen  geworden.

Man  berufe  sich  nicht  auf  die  „Unentbehrlichkeit“  des
Französischen  in  unserem  Grenzlande!  Ich  erkenne  dies  Bedürfnis
  innerhalb  der  durch  die  tatsächlichen  Zustände  von
Handel  und  Verkehr  gegebenen  Gienzen  durchaus  an.  Aber
es  ist  doch  wahrlich  widersinnig,  und  schwerlich  in  andern  Grenzländern
  der  Brauch,  das  Schwergewicht  des  Bildungsiuteresses
  gerade  zu  auf  die  andere  Seite  der
Grenze  zu  verlegen.  Wir  dürfen  doch  vernünftigerweise
in  der  Pflege  des  Französischen  in  unserem  Heimatlande  nicht
sowelngehen,  daß  wir  darüber  unser  ehrliches  Deutsch  zur  Rolle