—  116  —

eladen  waren.  Die  Ergebnisse  der  Veralungen  hat  Prvi.
r.  Siebs  in  Greissweld  im  Auftrag  der  Versammlung
verssentlich  in  Feieer  Schrift  „Deutscke  Bühnenaussprache“
(2.  Aufl.  1901),  Verlag  Ahn  in  Berlin,  Köln,  Leipzig.  Es
fehlt  leider  allerdings  in  Deutschland  noch  sehr  am  Verständnis
  für  die  Wichtigleit  der  Sache.

Wenn  nun  aber  das  Blatt  schreibt:  „Das  Deutsche  hat
tatsächlich  weder  die  grammatische  Einsachheit  des  Englischen,
noch  die  Klarheit  des  Französischen,  noch  den  harmonischen
Klang  des  Italienischen,  noch  die  Majestät  des  Spanischen“,
so  möchte  ich  dem  Versasser  doch  gern  einige  keine
Lehren  erteilen.

Daß  er  im  ersten  Punkt  recht  hat,  tut  mir  leid;  denn
im  Gegensatz  zu  unsern  Schulgelehrten  halte  ich  die  Abschleifung
  der  Endungen  nicht  für  sprachlichen  Berfall,
sondern  für  einen  großen  g  Fortschritt,  bei  dem  unsere  deutschen
  Mundarten  der  Schriftsprache  mit  gutem  Beispiel  vorangehen.
  Die  bedauerliche  Stellungnahme  der  Schulgelehrsamleit
  beruht  aber  ihrerseits  wieder  auf  Bildungsschwindel,
auf  Bildungsschwindel  mit  den  alten  Sprachen,  die  zum
verführenden  Vorbild  genommen  werden.  Ich  stehe  da
ganz  auf  dem  Standpunkt  des  dänischen  Hochschullehrers
Jespersen  in  Kopenhagen  in  seiner  Doktorarbeit  Frem-Stridt
  i  Sproget  (Fortschritt  in  der  Sprache).  Was  das  Blatt
aber  vom  Französischen  und  Italienischen  sagt,  das  habe  ich
bereits  S.  30  Aum.  und  S.  27  beleuchtet  und  bitte  ihn,
dort  Aiigs  nach  schlagen  zu  wollen.  Bleibt  noch  die  Majestät
des

Ein  merbvolildiger.  Zufall  wollte  es,  daß  mir  gleichzeitig  mit
dem  Erscheinen  dieser  Eutgeguung  eine  Zeilschrift  aus  Palermo
unverhofft  zugeflogen  kam  „Bollettino  di  Filologia  Moderna
per  lo  studio  delle  lingue  viventi.“  In  dieser  Nummer  vom
Weinmonat  1907  zog  mich  außer  einem  italienischen  Bericht
über  meinen  neuesten  Aufsatz  in  Reins  Enzyklopädie  „Fonetik
beim  Lesenlehren“  der  wörtliche  Abdruck  aus  einem  spanischen
Aufsatz  von  Anton  del  Olmet,  La  Espana  de  maflans  (das
Spauien  von  morgen)  an,  aus  der  Zeischrift  La  Alhambra,
der  mir  von  der  genaunten  spanischen  „Majestät"“  gleich  einen
Begriff  gab.  Da  ich  meinen  Lesern  keine  spanischen  Sprachkenntnisse
  zumute  und  nicht  völlig  sicher  bin,  daß  auch  alle
elsässischen  Bildungsschwindler  den  Urtext  verstehen  würden,
so  übersetze  ich  lieber  auf  die  Gefahr  hin,  daß  dadurch  etwas.
von  dieser  „Majestät“  verloren  geht.  Es  heißt  da:  „Nach
einer  vierhundertfährigen  Entnationalisierung  sind  wir  dazu
gekommen,  das  Spanien  von  heute  zu  sein,  dieses  verratene,