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Der  Zug  nach  Westen  bedräugt  Deutschland  von
Morgen  und  Mittag  mit  dem  slavisch-italienischen  Würgegürtel,
  von  der  Abendseite  rückt  stille  die  französische  Sprache
vor,  die  schon  die  Höhen  Berns  zu  besetzen  beabsichtigt:
leidenschaftlich  buhlt  selbst  altdeutsches  Blut  mit  ihr  in
Elsaß-Lothringen,  und  über  Luxemburg  und  Belgien  schaut
sie  das  vlämische  Deutsch  in  seinen  letzten  Zügen,  sowie  die
ganze  nordische  Küste,  wo  unser  gutes  Plattdeutsch  desgleichen
  von  ihrem  Gift  bereits  so  durchsetzt  ist,  daß  der,
so  dort  das  liebe  alte  Wort  noch  rein  führen  wollte,  Gefahr
  liefe,  unverständlich  zu  sein.

#ber  dem  ganzen  deutschen  Boden,  so  weit  seine
Grenzen  sich  erstrecken,  ist  ein  reges  Wettstreben  zur  Auflösung
  des  deutschen  Worts,  Deutschlands  Horts.

laubet  mir,  Freunde,  die  ihr  die  Gefahr  nicht  sehen
könnt  oder  wollt,  euch  in  der  so  reizvoll  erscheinenden
Sprache  zu  sagen:
Sentinelle,  prenez  garde  à  vons!

Und  gerne  will  ich  der  Gänse  eine  sein,  die  mit  ihrem
Gekreisch  die  Helden  der  Hochburg  zu  den  überkletterten
Wällen  rufen.“

Das  Blatt  sügt  hinzu:  Wir  geben  diesem  Mahnruf
Ranum,  obgleich  wir  der  Meinung  sind,  daß  er  zu  schwar;
sieht.  Die  kräftig  aufblühende  elsässische  Dialektliteratur  ist
doch  gewiß  ein  Zeichen,  daß  sich  die  Elsässer  ihres  deutschen
  Volkstums  wieder  bewußt  geworden  sind,  sich  dessen
nicht  mehr  schämen,  sondern  es  liebevoll  pflegen.  Das
Streben  dabei,  ihre  Eigenart  zu  wahren,  ist  gewiß  berechtigt.
  In  Belgien  hat  sich  das  vlämische  Volkstum  auch
siegreich  durchgesetzt.  In  der  Schweiz  allerdings  schreitet
die  französische  Sprache  vor,  und  in  der  Ostmark  des
Deutschen  Reichs  wird  stark  um  den  Besitzstand  ge'ämpft.
Indem  wir  also  in  der  Spracheufrage  vertrauensvoller  in
die  Zulunft  sehen  als  Landsmann,  zollen  wir  ihm  als  Alt-Mülhauser
  alle  Anerkeunung,  daß  er  derartig  offen  für
seine  Muttersprache  eintritt.

Der  Verfasser  dieses  Aufsatzes,  auch  des  Briefes  S.  15  1,
stbreibt  mir  am  13.  11.07;:

„Bildungsschwindel  ist  das  rechte  Wort,  mit  dem  das
deutschjeindliche  Treiben  im  Elsaß  benaunt  werden  muß.
Dieser  Ausdruck  ist  merlwüreig  zutreffend  nach  allen  Seiten
hin;  denn  jener  verbissene  Trotz  ist  ein  Gemengsel  von
Schwindel  aus  Lüge,  Schwindel  aus  Unmwissenheit,
Schwindel  aus  Dummheit,  jedoch  vor  Allein  von  boshaftem
Schwindel  aus  tief  gelränttem,  selbsisüchtigem  Hochmut.