6

bloß  alles  ehelichen  Umgangs  enthielten,  sehr  streng  fasteten,
in  einer  freiwilligen  Armuth  lebten,  sich  nach  der  Weise  aller
Geweihten  starker  Getränke  enthielten,  uͤbrigens  von  Zeit  zu
Zeit  in  die  Gesellschaft  zurückgingen.  Andere,  schon  nicht
so  edle,  irrten  eine  Zeit  lang  in  der  Wuͤste  herum  und  kamen
dann  in  ihrem  ungewoͤhnlichen  Habit  oft  in  eine  Stadt,  zeigten
  sich  da  oͤffentlich  nackt  auf  dem  Markte,  so  daß  die
Obrigkeit  gegen  das  Aergerniß  einschreiten  mußte.  Diese  letzteren
  heißt  man  Sarabaiten.  Eine  andere  Gattung
verkroch  sich  bloß  in  Hoͤhlen.  Denen  war  es  nicht  genug,
sich  bloß  von  aller  menschlichen  Gesellschaft  zu  isoliren;  sondern
  sie  krochen  in  solche  Hoͤhlen,  wo  sie  nicht  aufrecht  stehen
konnten,  vom  Regen  gleichsam  in  die  Erde  hineingesenkt
wurden  und  bei  lebendigem  Leibe  zu  verfaulen  anfingen,  weil
Alles  bei  ihnen  von  dem  Satz  ausging,  je  schmerzhafter
auf  dieser  Welt,  desto  glücklicher  in  einer  andern.
Anderer  Hauptgelübde  war:  keine  menschliche  Speise  zu
essen  (Pabulatores).  Noch  Andere  setzten  sich  absschrlich  der
äußersten  Kälte  und  Hitze  in  den  schnellsten  Abwechslungen
aus.  Gewöhnlich  variirt  nichts  leichter  als  die  Nartheit;
doch  der  Superlativ  unter  den  Narren  waren  die  sogenannten
Styliten,  ')  und  das  Probesiück  von  diesen  Säulenbewohnern
  war  der  heilige  Simcon.

Der  gute  Mann  war  ein  geborner  Eilicier,  kommt  einmal
  als  Knabe  in  die  Kirche  und  hört  vorlesen:  selig  sind,
die  da  hungern,  denn  sie  sollen  satt  werden;  die  da  weinen,
denn  sie  sollen  lachen.  Er  macht  davon  eine  Exegese  zum
groͤßten  Nachtheil  seines  Magens,  entschließt  sich,  in's  Kloster
zu  gehen.  Da  war  es  ihm  aber  nicht  streng  genug.  Um
nur  einigermaßen  sich  mehr  Henker  zu  werden,  wand  er  sich

*)  Von  orv#o,  die  Szule.