weit,  daß  er  mit  der  Stirne  auf  seine  Zehen  stieß,  und  einmal
  bei  einem  Gebet  zwblfhundert  Verbeugungen  machte.
Er  sah  voͤllig  einem  Perpendikel  gleich.  —  Der  Kaiser  in
Constantinopel  that  nicht  leicht  etwas  Wichtiges,  er  fragte  ihn
vorher.  Man  lief  haufenweise  zu  ihm  hin,  seinen  Segen  zu
bekommen,  und  er  von  seiner  Saͤule  herab  predigte,  ohne  daß
man  ihn  bewegen  konnte,  von  derselben  herabzusteigen.  Alle
Weiber,  die  fruchtbar  werden  wollten,  eilten  zu  ihm;  man  war  oft
seines  Lebens  nicht  sicher,  in  wahrer  Gefahr,  erdrückt  zu  werden.
Diese  Lebensart  konnte  nicht  in  die  Länge  dauern;  es
war  die  unedelste,  besonders  in  den  letzten  Entartungen.  Sie
aͤnderte  sich  bald  etwas,  so  daß  Eremiten  in  eine  gewisse
  Nähe  zusammen  zogen,  z.  B.  in  einen  Bezirk
von  1/  Meile  zogen  drei-,  vierhundert  zusammen;  jedoch
näher  als  einen  Bezirk  von  einer  halben  Viertelstunde  durste
keine  Zelle  der  anderen  seyn.  Aber  sie  hatten  doch  den  Vortheil
  einer  wechselsweisen  Höülfeleissung;  denn  zu  besiimmten
Jeiten  kamen  sie  zusammen.  Diese  heißen:  Anachoreten.
Und  einen  solchen  ganzen  Bezirk  hieß  man:  Laura.  Schon
eine  merkliche  Vervollkommnung  des  ganzen  Insiituts,  aber
dabei  doch  mit  unendlichen  Fehlern  verbunden,  fast  noch  schlimmer
  als  das  vorige,  weil  es  sich  jetzt  weiter  ausbreiten  konnte.
Die  dritte  Gattung  waren:  Cönobitcu.  *)  Diese
wohnten  in  einem  Hause  zusammen,  unter  einem
Vorsteher,  der  die  Arbeiten  unter  sie  vertheilte,  in  Rücksscht
auf  das  Gebet  ihnen  gewisse  Gesetze  vorschrieb,  sie  von  Zeit
zu  Zeit  visitiren  konnte.  Diese  sind  eigentlich  die  Großväter
unsrer  Mönche.  Uebrigens  sollte  ihr  Cönobium,  der  Ort,  wo
sie  zusammen  lebten,  ursprünglich  nicht  in  der  Nähe  einer
Stadt  seyn.  Es  geht  fast  in's  Unglaubliche,  wie  viele  solcher

*)  Von  votpos  Gia“=  gemeinschaftliches  Leben.