24

zog  alle  Einkünfte  vom  Kloster  und  selzte  in  seinem  Namen  einen
Vicarius.  Diesem  bestimmte  der  General  zu  seinem  Unterhalt,
  was  ihm  beliebte.  Diese  Art  von  Aebten  beißt  man
Abbates  commendatorii.  Die  Monche  verhuugerten,  verliefen
  sich,  bekümmerten  sich  nicht  um  Landbau,  und  der  General
  zog  den  Schafen  das  Fell  uͤber  die  Ohren  ab.

3)  Selbst  die  Priorate  wurden  den  Klöstern  schaͤdlich.
Diese  entstanden  so:  wenn  z.  E.  ein  Kloster  im  Haunöverischen
  große  Schenkungen  auf  dem  Eichsfelde  bekam,  so  setzte
es  einen  Mönch  dahin,  die  Jehenten  einzuziehen,  sie  zu  versilbern,
  oder  in  Natur  nach  dem  Kloster,  dem  die  Schenkungen
  gemacht  waren,  zu  liefern.  Das  hieß  mon:  der  Mönch
hat  eine  obedicntia  bekommen;  in  der  neuesien  Mönchs=Sprache:
  Prioratus.  Nach  kurzer  Zeit  sah  der  Mönch  diese
Güter  als  sein  Eigenkhum  an.

Wer  sie  jedoch  am  meisien  ruinirte,  waren

4)  die  Nofmänuer  und  Ungarn.  Allein  in  Bayern
waren  zu  Anfang  des  zehnten  Jahrhunderts  53  Klöster  gewesen,
  und  von  diesen  sind  in  einem  Jahre  21  verwüstet
worden;  für  ein  anderes  Jahr  wurden  in  Frankreich,  so  weit
die  Normänner  damals  herumstreiften,  in  einem  Jahre
uͤber  50  eingeäscherk.

So  dauerte  es  fort,  abwechselnd  wie  Ebbe  und  Flut,  bis
in's  neuute  Jahrhundert.

C.  Erste  Reform  des  Benediktiner-Ordens  durch  Benedikt
  von  Aniane  im  neunten  Jahrhundert.

Im  neunten  Jahrhundert  kam  wieder  ein  Mann,  der
Reform  in  dem  Benediktiner-Orden  vornahm.  Er  heißt  auch
Benedikt,  aber  mit  dem  Zusatz  von  Aniane,  kein  Italiener,
  sondern  ein  Westgothe.  Er  scheint  in  seiner  ganzen