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Anlage  weit  mehr  fuͤr  Schwaͤrmerei  gestimmt  gewesen  zu  seyn,
als  Benedikt  von  Nursia,  war  von  vornehmer  Geburt,  sein
Water  ein  Graf;  er  war  urspruͤnglich  dazu  bestimmt,  am  fränkischen
  Hofe  sein  Gluͤck  zu  machen,  und  wurde  auch  Erzschenk
daselbst.  Einige  sichtbare  Lebensgefahren,  woraus  er  errettet
wurde,  bewogen  ihn  dazu,  in's  Kloster  zu  geben,  in's  nächste
beste  Benediktiner-Kloster.  Da  war  ihm  die  Lebensart  nicht
hart  genug.  Man  sieht  in  seinem  Leben  ordentlich,  wie  sich
der  Kopf  allmählich  abgekühlt  bat.  Er  trank  keinen  Wein;
mitten  in  der  Nacht,  oft  in  der  größten  Kälte,  lief  er  barfuß
  im  Klosier  herum.  Er  wollte  nachher  alles  das  in  die
Regel  bringen.  Er  hatte  die  höchst  sonderbare  Mode,  daß
er  nie  aß,  ohne  vorher  bitterlich  zu  weinen.  Mabillon  nennt
dieß  das  donum  lacrimarum.  Er  machte  sich  Verdienst
daraus,  Läuse  in  seinem  Rocke  zu  tragen,  und  —  wic  weit
es  doch  gehen  kann  in  volliger  Verlierung  alles  Gefübls!  —
die  meisten  Geschichtschreiber  sind  nicht  so  ganz  dagegen,  daß
das  Verdienst  sey.  Er  flickte  sich  seinen  Ueberrock  nie,  und
wenn  er  sich  dazu  entschloß,  nahm  er  mit  einer  gewissen  theologischen
  Demuth  Flicken  von  einem  andern  Tuche-  daß  es
recht  bunr  aussah.

Allmählich  wurde  er  kälter  und  bequemte  sich,  bloß  bei
der  Regel  Benedikts  von  Nursia  zu  bleiben,  aber  Alles  da
viel  strenger  einzurichten.  In  dem  ersten  Kloster,  das  er
baute,  war  auch  eine  Kirche.  Hier  bestand  er  lange  darauf,
daß  der  Kelch,  den  man  beim  Abendmahl  brauchte,  bloß  ein
bblzerner  Becher  seyn  durfte;  nichts  von  Gold,  Silber,  Seide
in  derselben.  Wenn  man  anfangs  einem  Kloster  große  Guͤ-ter
  schenkte,  so  verstand  sich's  immer  bei  der  Schenkung  von
selbst,  daß  die  Leibeigenen,  die  zu  einem  solchen  Gute  geboͤrten,
  mitgeschenkt  wurden.  Das  erste,  was  er  that,  war:
den  Leibeigenen  gab  er  völlige  Frciheit;  seine  Mönche  sollten