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Geschichte  der  Bettelmoͤnchs-Orden.

I.  Geschichte  des  Franziskaner-Ordens.

Der  Stifter  des  Franziskaner-Ordens,  Franziskus,
das  große  Licht,  ging  der  Welt  auf  1182  zu  Assisi  im  (alten
Umbrien)  Herzogthum  Spoleto  in  Italien.  Der  Vater,  wie
damals  fast  alle  Bürger  in  italienischen  Städten,  war  ein
Kaufmann.  Seiner  Absicht  nach  sollte  sich,  wie  es  besonders
bei  Kaufleuten  gewöhnlich  ist,  die  Liebe  zum  Handel  auch  auf
den  Sohn  vererben.  Aber,  noch  ehe  er  25  Jahre  alt  war,
also  vom  Vater  recht  gebraucht  werden  konne,  nahm  sein
Leben  die  merkwürdige  Veränderung,  die  eine  Ordens-Stiftung
veranlaßte.  Er  mag  mit  seinem  Vater  vorher  schon  nicht
recht  zusammengesiimmt  haben,  denn  er  war  von  Natur  sehr
zur  Freigebigkeit  geneigt,  überließ  sich  seiner  natürlichen  Liebe
zum  Nebenmenschen  auf  eine  Art,  die  ein  kaufmännischer
Vater  nicht  billigen  konnte;  er  stahl,  that  aber  mit  dem  Gestoblenen
  Gutes.  Ein  lebhafter  junger  Mensch,  wie  er,  der
keine  Moralität  kannte,  als  die  seines  Herzens,  hielt  es  für
keine  Sünde,  von  gestohlenem  Gute  sich  wohlthätig  zu  erweisen.
  Mit  einem  Male  (der  Vater  hinderte  ihn  vielleicht  zu
sehr  in  seinen  wohlthätigen  Absichten)  ging  er  dem  Vater
durch.  Dieser  schleppt  ihn  wieder  herbei,  bringt  ihn  vor  den
Bischof;  der  Sohn  kündigt  dem  Vater  Alles,  was  er  von
ihm  besitze,  auf,  und  so  lebt  der  Sohn  vier  Jahre  als  Eremit,
  recht  wie  ein  alter  sprischer,  ägyptischer  Eremit,  so  daß
die  Bauern,  die  ihn  auf  dem  Felde  fanden,  ihn  für  einen
wilden  Mann  hielten.  Hie  und  da  verdient  er  sich  etwas
mit  Handarbeir,  dann  ließ  er  sich  von  milden  Seelen  unterstützen.
