85

leicht  ein  Franziskaner-Kloster  findet,  wo  es  nicht  steht,  und
wo  man  nicht  auf  dasselbe  als  auf  einen  Schatz  der  Weisheit
bindeuret.  Zu  den  Zeiten  der  Reformation  kam  ein  Auszug
davon  heraus,  den  Dr.  Martin  Luther  mit  einer  Vorrede  begleitete:
  Der  Eulenspiegel  der  Franziskaner.  In
der  Thar,  kein  Orden  hat  so  viel  zum  Verfall  der
Kirche  und  wahrer  Gottesfurcht  beigetragen,  als
der  Franziskaner-Orden.

Es  zeigte  sich  noch  bei  Lebzeiten  des  heiligen  Franz,
daß  der  Orden  nicht  bleiben  könne,  wie  Franz  ihn  in  der
ersten  Regel  eingerichtet  hatte.  Schon  der  Ordensgeneral,  der
es  nach  ihm  wurde,  fing  an,  oft  bei  einer  weiten  Reise  zu
reiten.  Er  wurde  deßwegen  abgesetzt.  Eben  der  General
fing  an,  auch  Geld  zu  sammeln,  nur  Gott  und  dem  heiligen
Frauz  zu  Ehren,  um  eine  schöne  Kirche  zu  bauen.  Auch
das  war  Grund  seiner  Absetzung.  Eben  der  General  fing  auch
schon  an,  besonders  zu  speisen,  nicht  mit  den  übrigen.  Ein
dritter  Grund  seiner  Absetzung.  Schon  zu  den  Lebzeiten  des
heiligen  Franz  zeigte  es  sich,  was  man  im  Allgemeinen  aus
der  ganzen  Einrichtung  des  Ordens  vermuthen  konnte.  Bei
allen  vorhergehenden  Orden  war  doch  noch  einige  Auswahl
gewesen.  Es  mußten  Ritter  von  den  ersten  Familien  seyn,
die  Johanniterritter  und  Tempelherrn  werden  wollten.  Hier
floß  aller  Troß  der  Nation  zusammen.  Bei  den  andern  Orden
war  keine  solche  Wanderung  und  Versetzung  möglich,  wie
bei  diesem  Orden  nach  seiner  ganzen  Einrichtung.  Es  kommt
nicht  nur  einmal  in  der  Geschichte  des  Franziskaner-Orbens
vor,  daß  er  Quelle  unendlich  vieler  Händel  war,  daß  der
Ordensgeneral  italienische  Franziskaner  nach  England  schickte,
die  hier  Alles  italienisch  behandeln  wollten;  der  Verfassung,  der
Sitten  unkundig,  bloß  nach  Verfassung  und  Sitten  ihres
Vaterlandes  sich  richteten.  Menschen,  die  nichts  eigen  haben