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Predigen  ein  Gelehrter  gehoͤrte,  sondern  weil  sie  mit  Ketzern  disputiren
  mußten,  und  Ketzer,  wie  es  von  jeher  war,  in  der
Schrift  sehr  bewandert  sind.  Dominikus  selbst  war  ein  Gelehrter,
  nahm  also  keinen  lieber  in  seine  Consociation  auf,
als  Gelehrte.  Der  heilige  Franz  dagegen  schickte  nach  Willkür
  zehn  Mann  nach  England,  wenn  sie  auch  nicht  englisch
verstanden.  Ein  Bettler  kann  immer  so  viel  begreiflich  machen,
  daß  ihn  hungert;  aber  dort  war  der  Fall  anders.  Wenn
Dominikus  Leute  nach  England  schicken  wollte,  mußten  sie
englisch  verstehen.  Sodann  kam  dazu:  das  neue  Justitut
hatte  gar  keinen  Reiz  der  Neuheit;  es  waren  canonici  rezulares,
  beschwert  mit  einer  neuen  Verpflichtung;  die  ersten
Klöster,  die  Dominikus  auf  diese  Art  stiftete,  waren  nicht
einmal  eremt,  also  noch  ganz  unter  dem  Druck  der  Bischöfe.
Das  allererste  päbstliche  Privilegium,  das  sie  erhielten,  das
kleine,  unbeträchtliche,  daß  sie  vom  Noval-Zehenten  frei  seyn,
d.  h.  von  dem  Lande,  das  sie  zuerst  bearbeiten  ließen,  keinen
Zehenten  zu  geben  verbunden  seyn  sollten.  Sie  waren  so
klein,  daß  man  sie  nicht  Dominikaner  hieß,  sondern  in  Paris
  hießen  sse  Jacobins,  und  heißen  noch  jetzt  bei  den
französischen  Schriftstellern  meist  so,  weil  das  Haus,  das  sie
zuerst  von  der  Universität  geschenkt  bekamen,  den  heiligen
Fakob  zum  Patron  hatte.  Die  in  Bologna  hießen  bloß  Canonici
  von  Bologna.  So  dauerte  es  über  vier  Jahre.
Es  war  schon  ein  Orden,  und  war  doch  noch  nicht  Orden;
  es  war  schon  Orden,  aber  bloß  Kanonikus-Orden,  noch
nichts  von  der  nachherigen  Form.  Doch  stand  an  der
Spitze  aller  der  Kanonikus,Klöster  als  Art  von  Superior  Dominikus
  Guzmann.

Er  hielt  im  Jahr  1220  (zu  Bologna)  General-Capitel.
Dieses  Jahr  macht  Epoche  in  der  Geschichte  des

Spittler’'s  sämmtliche  Werte.  X.  Bb.  7