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Mobst  eines  Klosters  in  Goslar  war  das  erste  Opfer.  Er
macht  ihm  den  Prozeß,  und  er  muß  brennen.  Vollig  auf
gleiche  Art  handelte  auch  (um  dieselbe  Zeit)  der  berühmte
Ketzer-Richter  in  Deutschland,  Conrad  von  Marburg.
Der  elende  Mensch  war  selbst  ein  Deutscher,  aber  wahrscheinlich
  in  Frankreich  Dominikaner  geworden;  er  war  Beichtvater
der  heiligen  Elisabeth,  Landgräfin  in  Thüringen.  In  Hessen
sowohl  als  in  Sachsen  hatte  man  nichts  von  Ketzern  gewußt.
Dieser  Unglückliche  trieb  aber  eine  große  Menge  Ketzer  auf.
Er  sperrte  Leute  ein,  bis  sie  gestanden,  was  er  wissen  wollte,
so  daß  sich  die  angesehensten  Familien  unter  dem  hessischen
und  thüriugischen  Adel  wie  von  einem  Bluthunde  zerfleischt
sahen.  Er  trieb  es  so  weit,  daß,  um  seinem  Unwesen  ein
Ziel  zu  setzen,  Synode  gebalten  wurde,  und  der  Erzbischof
von  Mainz  deßhalb  an  den  Pabst  schrieb;  bis  ein  paar  Edelleute
  ihn  nicht  weit  von  Marburg  todtschlugen  (1233).  Von
der  Zeit  an  nisteten  die  Ketzerverfolger  vorzüglich  in  Bayern  ein.

Aber  —  ecclesia  non  sitit  sanguinem  —  ein
Kanon,  der  schon  alt  war,  wie  die  Inquisition  aufkam,  womit
  der  Dominikaner  suchen  mußte,  seine  Inquisition  zu  vereinigen.
  Denn  auch  seine  Inqguisition,  wenn  sie  schon  nicht
spanisch  blutig  war,  war  doch  blutig.  Der  Dominikaner  half
sich  gegen  jenen  beschwerlichen  Kanon  auf  folgende  Art:

4)  Ein  großer  Theil  der  Serafe  der  Inquisition  —  sagte
er  —  sey  nicht  härter  als  gewöhnliche  Pönitenz.  Jemanden
sein  ganzes  Leben  hindurch  zwischen  vier  Mauern  einsperren,
daß  er  sich  kaum  rühren  kann,  keinen  Strahl  des  Lichts  sieht,
gefüttert  wird  wie  ein  Hund  an  der  Kette,  war  nicht  härter
als  die  Pönitenz.  Es  vertrugen  sich  also  solche  harte  Strafen,
  die  im  Geiste  des  Ordens  lagen,  —  denn  Niemand  straft
härter  als  der  Moͤnch  —  mit  dem  Grundsatze  der  Kirche:
Poͤnitenz  aufzulegen.