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2)  Ecelesia  non  eitit  sanguinem  kann  der  Inquisition
und  dem  Verfahren  der  Inquisitoren  gegen  den  Ketzer  nicht
entgegen  seyn,  denn  Beides  steht  beim  beiligen  Augustin.  Ecclesia
  non  sitit  sanguinem  steht  bei  ihm,  und  doch  sagt  er
auch:  Ketzer  seyen  mit  dem  Schwert  zu  verfolgen.  Wer
wird  wagen,  sagen  zu  wollen,  der  heilige  Augustin  habe  sich
widersprochen?  Ueberhaupt  sind,  wie  der  Dominikaner  sagt,
alte  Zeiten  der  Kirche  mit  neuen  Zeiten  nicht  zu  verwechseln.
Geduld  war  Gabe  der  alten  Kirche;  die  neue,  zu  reiferen  Jahren
  gekommenc  Kirche  hat  Gott  mit  ernsterer  Streuge  begabt,
die  sie  ihren  Kindern  zeigen  muß,  und  diese  Strenge  ist  überdieß
  nicht  groß.  Denn  der  Ingquisitor  selbst  läßt  Niemand
verbreunen;  er  übergibt  den  Delinquenten  an  die  weltliche  Obrigkeit,
  und  der  weltliche  Richter  ist  es,  der  verbrennen  läßt.
Die  Maskerade  ist  so  weit  getrieben  worden,  daß  vor  der  Erekution
  der  Inquisitor  bei  der  weltlichen  Obrigkeit  zum  Schein
intercedirte.  So  wurde  also  der  Mord  der  vielen  tausend  unglücklichen
  Menschen,  die  für  die  Wahrheit  verbrennen  mußten,
und  der  schöne  Kanon  miteinander  vereinigt.

Die  Inquisttion  nützte  dem  Dominikaner=  Orden  unendlich
  viel,  gab  seinem  Ansehen  eine  unerschütterliche  Festig--keit;
  —  wer  wollte  einen  Dominikaner  angreifen?  —  aber
es  ist  doch  eine  große  Frage,  ob  nicht  doch  die  Inquisttion
dem  wahren  Aufkommen  dieses  Ordens  mehr  geschadet,  als
genützt  habe?  Weil  der  Orden  eine  so  leichte  Stöütze  seines
Ansehens  hatte,  deren  Behauptung  ihm  keine  Mühe  kostete,
so  cutstand  unter  seinen  Mitgliedern  nicht  die  Selbstthätigkeit,
  die  der  Franziskaner-Orden  hatte,  nicht  das
ängstliche  Streben,  durch  Verdienste  der  Gelehrsamkeir,
  oder  abwechselnden  Fanatismus,  oder
berfeinerte  politische  Einrichtungen  den  Orden
kerner  im  Flor  zu  erhalten.  Daher  kam  es  auch,  daß