135

Aber  es  bleibt  dennoch  eine  wichtige  Frage,  wie  in  einem
  Zeitalter,  da  man  des  Ordensmachens  schon
müde  war,  das  doch  durch  das  Beispiel  vier  vorhergehender
Jahrhunderte  gewarnt  seyn  konnte,  wie  man  in  der  Periode
der  wiederauflebenden  Wissenschaften,  und  da  man  durch  die
Reformatoren  selbst  in  der  großen  Kirche  auf  dergleichen  Dinge
aufmerksam  gemacht  wurde,  ein  Orden  noch  so  gedeihen
konnte,  daß  er  an  Größe,  Reichthum  und  Macht  alle
übrigen  unendlich  übertraf.  Merkt  man  nicht  auf  andere
historische  Veranlassungen,  so  bleibt's  unbegreiflich,
daß  er  in  so  schneller  Zeit  und  so  fest  die  ganze
kat  bolische  Christenheit  umstricken  konnte.  Die
wichtigsten  derselben  scheinen  folgende  zu  seyn:

1)  Die  Art,  wie  gewöhnlich  die  ersten  Jesuiten
sich  einschlichen,  trug  vorzüglich  in  Deutschland  zu  ihrer
Ausbreitung  bei.  Es  kamen  in  eine  Stadt,  z.  B.  nach
Cöln  (dieß  war  eins  der  ersten  Nester  des  Ordens),  ein  paar
arme  Vaͤter  barfuß,  in  elender  Gestalt,  daß  man  ihnen  wohl
das  Almosen  nicht  versagen  konnte:  sie  machten  nicht  die  Prätension,
  ihnen  ein  Collegium  zu  bauen,  sondern  gingen  in's
Hospital,  pflegten  der  Kranken,  verrichteten  die  niedrigsten
Dieuste,  lockten  auch  hie  und  da  Kinder  an  sich,  gaben  ihnen
im  Lesen  und  Schreiben  Unterricht,  so  daß  sse  endlich  ein
ganzes  Zimmer  voll  Kinder  hatten,  die  alle  Tage  zu  einer
bestimmten  Zeit  kamen.  Sie  verlangten  nichts  für  ihren  Unterricht,
  daß  es  die  Aeltern  in  der  Stadt  herzlich  freute,  ein
paar  Informatoren  umsonst  erhalten  zu  haben.  Der  Kinder
wurden  mehr,  und  die  guten  Bäter  äußerten,  sie  würden  noch
mehr  nehmen  können,  wenn  sie  nur  Platz  dazu  hätten.  Man
kauft  ihnen  ein  kleines  Haus,  sie  locken  so  viele  an  sich,  daß
sie  auch  hier  nicht  Platz  haben.  Es  muß  also  ein  Collegium