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gegen  die  Jesuiten  schrieb.  Der  Pabst  hatte  fünf  ketzerische
Sätze  ausgezeichnet;  aber  weil  der  Pabst  ein  schlechter  Theolog
  war,  waren  diese  so  unbestimmt,  daß  man  sagen  konnte,
sie  hätten  einen  ketzerischen  und  auch  einen  guten  Verstand.
So  fanden  die  bedrängten  Jansenisten  mehrere  Kunstgriffe,
bis  bei  jedem  Kunstgriff  die  Jesuiten  immer  eine  neue  Bulle
herausbrachten,  eine  ganze  Succession  von  Bullen,  wo  jedes
Hülfsmittel  der  Jansenisten,  ihren  seligen  Freund  zu  retten,
auf's  Neue  zernichtet  wurde.  Zwar  zum  augenblicklichen  Siege,
aber  doch  zu  ihrem  endlichen  Unglück  hatten  sie  zu  dieser  Zeit
den  wegen  seiner  Jugendsünden  bangen  Ludwig  in  ihrer
Gewalt,  so  daß  der  Blitz  von  Rom  und  Ludwigs  Donner
zusammenkamen.

Kaum  hatte  aber  der  Lärm  ausgehdrt,  so  fingen  die  Jesuiten
  eine  andere  Komoͤdie  von  der  Art  an  mit  einem  glossirten
  Neuen  Testament,  das  ein  gewisser  Pére  Quesnel,
der  sich  für  die  jansenistische  Partei  erklärte,  schrieb.  Auch
bier  fanden  sie  Ketzerei,  und  es  werden  103  Ketzereien  auegezeichnet.
  Der  Sturm  dauerte  von  dem  ersten  Jahrgchend  dieses
  Jahrhunderts  bis  auf  den  siebenjährigen  Krieg.  Wenn
man  die  beiden  Geschichten  aufmerksam  überlegt,  muß  man
sich  wundern,  daß  die  Fesuiten,  ein  Orden,  der  so  politisch
fein  gewesen  seyn  soll,  in  theologische  Streitigkeiten  sich  mengen
  mochten;  daß  ein  Orden,  der  aus  eigener  Erfahrung  den
gewöhnlichen  Gang  theologischer  Streitigkeiten  kannte,  so  tief
sich  hineinziehen  ließ;  daß  ein  Orden,  unkundig  aller  Ordens-Politik,
  die  Sache  jedes  einzelnen  Mitgliedes,  das  einmal  etwas
  gegen  Jansen  oder  Quesnel  annoneirt  hatte,  sogleich  zur
ganzen  Ordenssache  machte.  Beide  Geschichten  sind  entweder
  ein  Beweis,  daß  bei  den  Jesuiten  nach  der  Abwechslung
ihrer  Generale  auch  die  Politik  sehr  abwechselnd  war,  oder
Beweis,  daß  ein  Mensch,  einmal  an  Gewaltthi-Spittler's

  sämmtliche  Werke.  X.  Bb.  10