168

Ermahnungen  eines  Paulus  einen  Nachdruck,  den  sie  wohl
sonst  bei  allen  Wendungen  und  Wiederholungen  nie  gehabt
haben  wuͤrden.

So  entstand  denn  endlich  die  christliche  Kirche,
aber  noch  so  ohne  alle  gesetzlich  bestimmte  Form,
noch  so  nach  einem  kleinen  unbemerkbaren  Anfange
wie  es  bei  allen  solchen  zufälligen  Emstehungen  zu  gehen
pflegt.  Wo  etwa  ein  Apostel  längere  Zeit  lebte,  da  ging  die
Bildung  der  neuen  Gesellschaft  auch  schneller.  So  etwa  unter
  einem  Johannes  in  Klein-Asien.  Wo  die  Menschen  überhaupt
  schon  an  ordentliche  Einrichtungen  solcher  Gesellschaften
gewöhnt  waren,  wo  Handel,  häufigerer  Umgang,  Gelehrsamkeit
  schon  vorher  mehr  Aufklärung  und  mehr  Verbindungen
unter  den  Menschen  gestiftet  hatte,  da  ging  die  Entwickelung
auch  noch  schneller.  Aber  wo  sie  nun  doch  auch  am  schnellsten
  ging,  da  sah  im  ganzen  ersten  Jahrhundert  Alles  noch

„fehr  einfach  und  unschuldig  aus.

Man  suchte  den  Besten  unter  der  neuen  Gesellschaft  aus,
den,  der  noch  am  meisten  Kenntnisse  hatte,  gewöhnlich  ein  Juden-Proselyt,
  weil  diesem  bei  der  genauen  Verbindung  der  juͤ-dischen
  und  christlichen  Religion  letztere  immer  noch  am  begreiflichsten
  seyn  mußte,  —  der  wurde  dann  öffentlicher
Lehrer.  Nicht  aber  so,  daß  nicht  auch  die  Anderen,  wenn
sie  etwas  wußten,  hätten  sprechen  dürsen;  selbst  die  Frauenzimmer
  wollten  ja  auch  in  den  Versammlungen  bisweilen  das
Wort  führen,  was  aber  Paulus  verbat.

Dieser  Lehrer  war  eben  nicht  gerade  ein  vornehmer  Mann
in  der  Gesellschaft;  Achtung  und  Liebe  hatte  man  fuͤr  ihn,  als
vor  dem  Manne  von  besseren  Einsichten;  oft  als  vor  dem
Manne,  welchen  etwa  ein  Apostel  eines  vorzüglich  großen  Zutraucus
  gewürdigt,  der  etwa  auch  Wundergaben,  wie  manche
andere  gemeine  Christen,  hatte.  Er  mochte  immerhin  Bischof