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allerhand  Konjekturen  ein  Faktum  herleiten  will,  das  man  in
der  Folge  für  eben  so  zuverläßig  aufnimmt,  als  ob  es  mit
ausdrücklichen  Worten  in  einem  alten  Schriftsteller  stände.

Die  gewissen  Umstände,  durch  deren  Kombinirung  man
den  Codex  canonum  gefunden  haben  wollte,  der  von  der
Synode  zu  Chalcedon  publicirt  seyn  soll,  sind
folgende:

4)  sand  man  unter  den  Verhandlungen  dieser  Synode
etliche  Mal  Canones  angeführt,  und  so  angeführt,  daß  man
sich  auf  dieselben  als  auf  ein  Gesetz  berief;  die  Nummer
dabei  war  sogar  ausgedrückt;

2)  bieß  der  erste  Kanen  dieser  Synode  selbst,  daß  alle
in  den  bisherigen  Synoden  von  den  heiligen  Pätern
gemachten  Schlüsse  gelten  sollen.

Also,  schloß  man  weiter,  wurde  ein  Codex  canonum
auf  der  Chalcedonischen  Synode  gebraucht,  und  weil  man  auf
eben  derselben  Synode  die  bisher  gemachten  Synodalschlüsse  bekräftigte,
  so  hieß  das  so  viel  als  den  gebrauchten  Codex
canonum  bekräftigen.  Nachdem  man  nun  einmal  gewiß
zu  wissen  glaubre,  daß  die  Synode  einen  Coder  canonum
publicirt  habe,  so  wollte  man  diesen  Codex  auch  bald  selbst
haben,

Auf  der  Spnode  waren  ein  paar  Antiochische  Schlüsse
als  Nr.  85,  86,  95  und  96  citirt;  man  schuf  sich  also  einen
  Codex  canonum,  den  man  absichtlich  so  einrichtete,  daß
diese  Antiochischen  Schlüsse  gerade  in  diese  Nummern  fielen,
Und  so  glaubte  man  denn  freudig,  dieses  so  wichtige  Aktenstück
  gefunden  zu  haben,  und  merkte  die  Fehlschlüsse  nicht,
die  man  aufeinander  häufte.

a)  Folgte  es  ia  gar  nicht:  man  verliest  ein  gewisses
Stück  aus  einem  Buche,  also  billigt  man  Alles,  was  in  dem
ganzen  Buche  stehr.