188

diese  sollten  daruͤber  wachen,  daß  die  Verordnungen  der  roͤmischen
  Bischoͤfe  gehalten  wuͤrden.

5)  Daß  die  Bischöfe  „von  Alexandrien,  Antiochien  und.
Ronstantinopel  mit  dem  Römischen  nicht  in  der  Parallele
  blieben,  davon  lag  die  Ursache  in  den  politischen
und  kirchlichen  Schicksalen  ihrer  Dibcesen.

In  der  letzten  Hälfte  des  fünften  und  fast  durch  das
ganze  sechste  Jahrhundert  hindurch  gab  es  immer  schismatische
Partien  zu  Antiochien  und  Alerandrien,  die  ihre  eigenen  Bischöfe
  hatten.  Da  sich  die  Nestorianischen  (Ortentalischen)  und
Monophysitischen  Christen  von  der  übrigen  großen  Partie
trennten,  so  wurde  die  Macht  der  katholischen  Bischöfe  in
den  Morgenländern  dadurch  gar  sehr  geschwächt;  und  wie  sie
sich  nun  etwa  im  siebenten  Jahrhundert  hätten  erholen  können,
  so  überschwemmten  die  Araber  Syrien,  Aegypten  und
einen  großen  Theil  von  Klein  -Asien,  breiteten  die  Religion
Muhameds  mit  den  Waffen  aus,  und  so  wurde  also  die
katholische  Kirche  Ecclesia  pressa.  Freilich  litt  auch  der
Occident  im  fünften  Jahrhundert  gar  sehr  durch  die  Einfälle
der  Barbaren,  aber  die  damalige  Revolution  war  mit  einigen
  Umstänben  begleitet,  welche  den  Wachsthum
des  rdmischen  Bischofs  nur  noch  mehr  befördern
mußten:

a)  Der  Occident  zerfiel  in  mehrere  einzelne  Reiche;
es  waren  also  mehrere  getheilte  kleine  Interessen  da,  wo
endlich  immer  Einer  am  leichtesten  Meister  wird.  Manche
dieser  einzelnen  Reiche  bekamen  Arianische  Regenten;  was
alsdann  in  einem  solchen  Reiche  katholisch  war,  hielt  sich
nur  desto  fester  an  den  römischen  Bischof,  und  überhaupt
  suchten  die  Bischöfe,  da  sie  jetzt  nicht  mehr  in  einem
politischen  Körper  vereinigt  waren,  desto  mehr  untereinander