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des  achten  Jahrhunderts  für  den  eigentlichen  Codex
Canonum  Romanae  Ecclesiae  hielt.  —  Und  ein
gluͤcklicher  Zufall  am  Ende  des  achten  Jahrhunderts  gab  ihr
noch  einen  neuen  Schwung.  Karl  der  Große  kam  nach
Italien,  um  dem  longobardischen  Koͤnig  Desiderius  den  letzten
Treff  zu  geben.  Er  hatte  Langeweile  bei  der  Belagerung
von  Pavia,  benützte  also  die  Osterfeiertage  und  ging  nach
Rom.  Er  war  überhaupt  in  Alles,  was  edmisch  war,  ein
wenig  verliebt,  besonders  aber  für  die  rômische  Kirchen-Verfassung
  sehr  eingenommen;  denn  zu  Rom  sah  es  doch  immer
  noch  gebildeter  aus,  als  bei  seinen  mehr  als  halbbarbarischen
  Franken.  Hier  erhielt  er  nun  vom  Pabst  Adrian
zum  Geschenk  —  den  damals  in  der  roͤmischen  Kirche  gewöhnlichen
  Codex  canonum,  und  Karl  säumte  sich  nicht,
diesen  Coder  so  viel  moiglich  in  seinem  Reiche
auszubreiten.  Das  konute  um  so  leichter  geschehen,  weil
Karl  selbst  der  Kirche  sehr  viele  Gesetze  gab.  Seine  Kapitularien
  betreffen  fast  zur  Hälfte  Kirchensachen.  Er
nahm  sich  die  Freiheit,  Bischdfen  ihre  Unwissenheit  und  Trägheit
  zu  verweisen;  die  gescheiteren  derselben  galten  an  seinem
Hofe  Alles,  hatten  vielen  Antheil  an  der  Absassung  der  Kapitularien
  selbst.  Hätte  also  nur  Karl  länger  gelebt,  so  ili's
wabrscheinlich,  daß  die  deutsche  Kirche  nicht  wenig  durch  ihn
an  ihrer  Ausbildung  gewonnen  haben  würde;  aber  die  fromme
Einfalt  Ludwigs,  der  zu  Haus  bei  seinen  Weibern  und
Söhnen  nicht  Meister  werden  konnte,  war  nicht  fähig,  das
angesangene  große  Werk  auszuführen,  und  da  vollends  der
große  Staatskörper  unter  Ludwigs  Söhnen  in  mehrere
Bruchstücke  zerfiel,  so  mußte  die  Geschichte  des  Kirchenrechts
nothwendig  einen  anderen  Gang  der  Entwickelung  nehmen.
Ein  Zufall  kam  noch  dazu,  und  dieser  Zufall  zündete  ein
Feuer  an,  das  noch  nicht  gelbscht  ist.