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soll,  gar  nichts  gehalten  worden  sey,  vielmehr  das  Gegentheil
gebräuchlich  gewesen,  und  daß  doch  überdieß  bisher  das  alles
ohne  den  geringsten  Widerspruch  geschehen  sey.  Von  dieser
Seite  fiel  es  wirklich  dem  damaligen  Zeitalter  auch  am  meisten
  auf.  Hinkmar,  Erzbischof  von  Rheims  (vom  Jahr
845  —8382),  war  der  Ersie,  der  mit  diesen  falschen  Dekreralen
zu  kämpfen  bekam  und  sein  Ansehen  dadurch  untergraben
sehen  mußte;  und  das  war  immer  sein  Haupt-Argument,  das
er  dagegen  brauchte,  daß  sie  so  Vieles  enthielten,  was  den
übrigen  bisher  bekannten  ältesten  Kirchengesetzen,  z.  B.  den
Nicêanischen  Schlüssen,  entgegen  sey.

Hinkmar  war  sehr  jung  und  durch  die  Gunst  des
Hofes  Erzbischof  geworden;  das  verdroß  ein  paar  seiner
alten  Suffragancen,  und  diese  ergriffen  alle  Gelegenheit,  ihm
Verdruß  zu  machen.  Sein  eigener  Neffe  gleiches  Namens,
der  ihm  die  Beförderung  zum  Bisthume  Laon  zu  danken
batte,  war  noch  ein  größerer  Schurke  und  that  dem  Onkel
alles  gebrannte  Herzeleid  an.  Alles  war  in  seinem  Sprengel
aufrührerisch,  und  Hinkmar  mag  etwa  oft  auch  nicht  sachte
genug  verfahren  seyn,  mag  vielleicht  seine  Kabalen  auf  den
Concilien  allzudeutlich  haben  sehen.  lassen;  detwegen  wurden
die  Unruhen  immer  größer.  Die  Suffraganeen  beriefen  sich
auf  die  falschen  Dekretalen,  brachten  ihre  Sache  in  Appellationen
  nach  Rom,  und  unterstützten  dieselbe  durch  Anführung
der  falschen  Dekretalen.  -

Man  sollte  fast  vermuthen,  sie  seyen  unter  diesen  Unruhen
von  einem  dieser  unruhigen  Suffragaueen  erst  geschmiedet  worden,
  wenigsiens  war  der  Neveu  des  alten  Hinkmar,  der  Bischof
  von  Laon,  ehrlos  genug,  ein  solches  Schelmenstück  auszuführen,
  und,  wenn  er  auch  das  Hauptwerk  nicht  verfertigt
bat,  so  sieht  ihm  doch  ein  Auszug,  der  unter  dem  Namen
„Capitula  Angilramnitt  bekannt  ist,  so  gleich,  daß  man  es