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Man  muß  doch  sehr  begierig  seyn,  wie  sich  der  Pabst
bei  diesem  neuen  Phänomen  betrug.  Nicht  zu  Rom,  sondern
  im  Mainzischen  Sprengel  war  diese  Betrügers-Waare
fabricirt  worden;  wann  kam  sie  also  nun  dort  zum  Vorschein,
  und  wunderte  man  sich  zu  Romnicht,  daß
man  so  wichtige  Schreiben  der  ältesten  römischen  Bischöfe
aus  Deutschland  erhalten  sollte,  von  welchen  man  bisher
noch  kein  Wort  zu  Rom  gewußt  hatte,  keinen  Buchstaben  im
römischen  Archiv  finden  konnte?

Die  erste  hieher  gehörige  Erscheinung  war,  daß  der  Erz-Bischof
  Wenilo  von  Sens  nach  Rom  schrieb,  es  werde  in
der  gegenwärtig  vorwaltenden  Streitigkeir  eines  Bischofs  Hermann
  von  Nevers  ein  Schreiben  des  rômischen  Bischofs  Melchiades
  ?)  producirt:  Nikolaus  möchtt  ihm  doch  eine  beglaubigte
  Abschrift  davon  aus  dem  rômischen  Archiv  kommuniciren.
  Nikolaus  antwortete  auf  Alles,  was  sonst  in  diesem
Aufragschreiben  stand,  nur  kein  Wort  wegen  der  Epistola
Melchiadis.  Er  wollte  erst  weiter  von  der  Sache  hören,  was
sich  etwa  da  benützen  lasse,  und  wie  man  im  fraͤnkischen
Reiche  bei  dem  neuen  Vorgang  sich  betrage;  ob  man  etwa,
schläfrig  in  Behauptung  seiner  Rechte,  sich  diese  apokryphischen
  Srücke  gefallen  lasse,  oder  nicht.  Im  ersteren  Falle  war
es  immer  noch  lange  Zeit  genug,  sich  für  dieselbe  zu  erklären,
im  andern  Falle  konnte  doch  der  romische  Bischof  seine  Autorität
  nicht  unzeitig  früh  auf's  Spiel  setzen.

Die  zweite  Erscheinung  zu  Rom  war  bei  den  Händeln
des  Bischofs  Rothad  von  Soissons  mit  seinem  Metropoliten
  Hinkmar  von  Rheims.  Rothad  war  einer  der  vorzüglichst
  unruhigen  Suffraganeen  in  der  Rheinkbischen  Diözese,
er  that  seinem  Mctropoliten  alles  Herzelcid  an,  und  im  Jahre

*)  Er  lebte  zu  Anfang  des  dritten  Jahrhunderks.