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bekam  der  Pabst  andere  Ansichten,  und  so  gewaltthätig  war
er,  seine  neuen  Ansichten  auch  Anderen  sogleich  aufzudringen.


Es  gibt  Viele,  die  noch  leugnen,  daß  der  römische  Bischof
diese  falschen  Dekrekalen  jemals  anerkannt  habe.  Aber  gleich
bei  dem  ersten,  unter  dessen  Regierung  sie  zum  Vorschein  kamen,
  ist  es  unleugbar;  und  sollte  das  nicht  heißen,  etwas  als
das  Seinige  anerkennen,  wenn  man  sich  bei  allen  Gelegenheiten
  darauf  beruft,  wenn  man  es  Anderen  zum  Verbrechen
macht,  daß  sie  es  nicht  anerkennen,  wenn  man  darnach  Urtheile
  spricht,  diejenigen  erkommunicirt,  welche  sich  das  zweifelhafte
  Gesetz  nicht  gefallen  lassen  wollten.

So  ernstlich  nun  Rom  gleich  fast  bei  der  ersten  zuverläßigen
  Erscheinung  dieser  ihm  so  nützlichen  Waare  sich  annimmt,
  so  war  doch  Mäßigung  nothwendig,  um  nicht  auch
den  trägeren  Theil  des  Zeitalters  und  den  zunächst  weniger
dabei  interessirten  aufmerksam  zu  machen.  Man  mußte  also
noch  immer  leiden,  daß,  ungeachtet  dieser  einmal  ergangenen
Anerkennung,  Hinkmar  von  Rheims  doch  Unaufbhdrlich  protestirte,
  bei  jeder  Gelegenbeit  die  Anmerkung  erneuerte,  daß  in
diesen  neu  erschienenen  Dekretalen  Dinge  ständen,  welche  der
ganzen  bisherigen  Kirchen-Observanz  und  allen  anderen  Kirchen-Gesetzen
  entgegen  seyen.

Aber  mit  Hinkmar  von  Rheims  starb  vollends  ab,
was  den  Fortgang  dieser  Betrügerei  hätte  hindern  können.
  Die  Regierungen  der  Karolingischen  Prinzen  wurden
immer  unruhiger,  kraftloser;  besonders  demjenigen,  der  in
Italien  etwas  bedeuten  wollte,  war  die  Gunst  des  roͤmischen
Bischofs  sehr  wichtig;  man  wollte  doch  das  Königreich  Italien
und  die  Kaiserkrone  nicht  gern  verloren  gehen  lassen,  und
unter  den  Italienern  selbst  zeigten  sich  doch  ein  paar  der  mächtigsten
  und  thätigsten  Prinzen,  welche  Anspruch  darauf  wachten.