220

lenen  Kirchenzucht  war.  Man  heißt  diese  Synode  die  Trul,
lanische,  weil  der  kaiserliche  Palast,  in  welchem  sich  die
Spnodal-Väter  versammelten,  Trullum  genaunt  wurde.  Auf
dieser  Versammlung  wurde  nun  endlich  festgesetzt,  was  bisher,
  da  die  Kirche  nun  schon  steben  Jahrhunderte  lang  stand,
nicht  festgesetzt  worden  war,  was  für  Kirchengesetze
gelten  sollten.  Der  Zufall  und  die  Gewohnheit  hatten
bisher  die  Menschen  einzig  geleitet;  man  hatte  gebraucht,  was
gerade  unter  die  Hände  fiel,  und  was  man  einmal  gebraucht
hatte,  das  behielt  man  ohne  weiteren  Zweifel.  So  ging's
im  Orient  wie  im  Occident;  nun  aber  im  zweiten  Kanon  dieses
  Concilii  wurde  feskgesetzt,  welche  Synodalschlüsse
künftighin  gelten  sollten,  was  für  Epistolae  canonicae
künftig  augenommen  würden.  Die  Synode  war  nicht  bloße
Synode  des  Orients,  sondern,  da  Rom  damals  unter  der
Oberherrschaft  des  griechischen  Kaisers  war,  so  erschienen  auch
rômische  Abgesandte  auf  derselben,  und  man  sollte  nach  dem
ganzen  Verhalten  des  römischen  Bischofs  vermuthen,  daß  auch
er  die  Schlüsse  dieser  Synode  sich  würde  gefallen  lassen.  Sie
enthielten  aber  zu  Vieles,  das  der  ganzen  bisherigen  Kirchen-Disciplin
  der  rômischen  Kirche  entgegen  war,  als  daß  sie  der
rômische  Bischof  wirklich  hätte  aunehmen  können.

In  diesem  zweiten  Kanon,  worin  die  Stücke  bestimmt
wurden,  welche  künftig  zum  Codexr  canonum  ecclesiae  gehören
  sollten,  war  der  Dekretalen  rdmischer  Bischoͤfe  mit  keiner
  Sylbe  gedacht,  und  doch  schon  über  ein  Jahrhundert  waren
  diese  vollkommen  gangbar;  sie  hatten  eben  das  Recht,  als
Kirchengesetze  zu  gelten,  welches  die  andern  Epistolae  canonicac
  Patrum  hatten,  es  war  also  unmöglich,  daß  man  diese
Schlüsse  zu  Rom  annehmen  konnte.

Selbst  aber  auch  im  Orient  wurden  dieselben  nicht  zum
genauesten  befolgt.  Kein  Kaiser  hatte  jetzt  mehr  die  auege-