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eigene  Einrichtung  seiner  Sammlung,  wie  wenig  er  sich  daran
gebunden  glaube.

Man  kann  sich  aus  der  Geschichte  des  Photius  eine  sehr
wahrscheinliche  Vermuthung  herleiten,  wie  er  darauf  gekommen
  seyn  moͤchte,  sich  durch  solche  Arbeiten  um  die  Geschichte
des  kanonischen  Rechtes  verdient  zu  machen.  Die  Sammlungen
  Johanns  und  Anderer,  die  etwa  nach  ihm  ein  Gleiches
  unternommen  hatten,  wurden  durch  Unvollständigkeit  und
Alter  unbrauchbar:  Photius  selbsi  hatte  es  in  seinem  Leben
genug  erfahren,  wie  man  das  eine  Jahr  von  der  ganzen  Kirche
für  orthodor  erklärt,  das  andere  Jahr  als  ketzerisch  verworfen
werden  könne;  er  konnte  sich  also  den  Ruhm  kirchlicher  Heiligkeit
  auf  die  Nachwelt  nicht  besser  versichern,  als  wenn  er
eine  Kanonen-Sammlung  veranstaltete,  worin  diejenigen  Synoden
  ausgelassen  wurden,  welche  wider  ihn  waren;  diejenigen
  hingegen  eingerückt,  auf  welchen  er  als  Patriarch  anerkannt
  wurde.  Er  hat  seine  Absicht  auch  erreicht,  denn  sein
Syntagma  und  besonders  sein  Nomo-Canon  wurden  gleichsam
historisches  Handbuch  unter  den  Griechen;  wie  im  Occident
Gratian  eine  lange  Zeit  dominirendes  Compendium  war,  auf
das  sich  alle  Glossatoren,  Scholiasien,  Abbreviatoren  bezogen,
so  galt  es  im  Orient  mit  Photius  Schriften.  Es  trug  zu
ihrem  beständig  fortdauernden  Werth  auch  sehr  viel  bei,  daß
mit  dem  Fortgang  der  Jahrhunderte  die  Trennung  zwischen
der  lateinischen  und  griechischen  Kirche  immer  stärker  wurde;
also  mußten  auch  die  Schriften  desjenigen  Mannes  immer
angesehener  bleiben,  der  eine  Hauptursache  dieser  Trennung
geworden  war,  und  dessen  Andenken  der  rdmischen  Kirche  so
verhaßt  blieb.  In  den  nachfolgenden  Zeiten  lebten  die  Wissenschaften
  unter  den  Griechen  nie  wieder  so  auf,  wie  zu  Photius
  Zeiten;  man  behielt  alss  um  so  williger  das  Alte  immer
bei.  Die  Griechen  zankten  sich  noch  mehr,  als  die  Lateiner,