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Ein  zweiter  Kanonist  unter  den  Griechen  von  fast  gleichem
  Ansehen  war  Zonaras,  etwas  älter  als  Balsamon,
aber  nicht  von  so  großem  Einflusse  auf  sein  Zeifalter  und  auf
die  Nachwelt,  als  dieser.  Er  ist  nicht  nur  als  Kanonist,  sondern
  auch  als  Historiker  sehr  bekannt.  Seine  Arbeiten  im
Kirchenrechte  bestehen,  wie  bei  Balsamon,  bloß  in  Anmerkungen
  über  die  gangbaren  Koncilienschlüsse  und  Epp.  canonicae
  PP.  Man  hat  sie  gleichfalls  in  Beveregi#  synodic.
am  besten.

Es  ist  ein  charakteristischer  Zug,  wie  viel  schlimmer  es
im  Orient,  als  im  Occident  mit  den  Wissenschaften  muß  gestanden
  haben;  im  Occident  wagt  man  es  doch  noch,  allerband
  Methoden  und  äußere  Umbildungen  zu  versuchen;  im
Orient  hleibt  es  sogar  auch  hierin  immer  vollig  bei  dem  Alten:
  die  ganze  gelehrte  Bemühung  besteht  bloß  im  Glossiren.
  Im  Occident  kommen  nach  und  nach  immer  neue
Gesetze  hinzu,  jeder  roͤmische  Bischof  fügt  neue  Dekretalen
bei,  publicirt  sogar  von  Zeit  zu  Jeit  neue  Dekretalsammlungen.
  Im  Orient  hat  kein  einzelner  Bischof  diese  Macht  und
dieses  Ansehen,  es  bleibt  also  immer  bei  dem  Alten,  und  die
Kaiser  finden  nicht  Ursache,  neue  Veränderungen  zu  machen;
Peränderungen  wären  auch  gefährlich  gewesen,  da  die  griechische
  Kirche  von  Lateinern  und  türkischen  Volkern  auf  das
äußerste  bedrängt  war.  ·  «

Kaum  sind  noch  merkwuͤrdig:  Arsenius,  der  in  der
Mitte  des  dreizehnten  Jahrhunderts  bluͤhte,  Patriarch  zu
Konstantinopel  und  in  jenen  Zeiten  ein  so  wichtiger  Mann,
daß  er  an  den  groͤßten  Staatsgeschaͤften  Theil  hatte,  sogar
zum  Vormunde  der  kaiserlichen  Prinzen  ernannt  wurde.  Weil
es  aber  damals  am  griechisch-kaiserlichen  Hofe  so  zuging,  daß
kein  ehrlicher  Mann  dableiben  konnte,  so  zog  er  sich  in's