ob  sich  der  ganze  gewaltige  Strom  in  Sand  und
Moräste  verloren  hätte.

Laßt  uns  zu  Gratian  zurückgehen  und  sehen,  wie  es
seinem  Dekrete  weiter  erging,  das  in  den  ersteren  Jahren
  seiner  Erscheinung  eine  so  beträchtliche  Autorikät  erhielt.

Die  erste,  natürlichste  Frage,  die  hier  entsteht,  ist  diese:
wie  kamen  die  sogenannten  Pale##  zu  dem  Terte  des  Gratian
  hinzu?  was  hat  der  Name  zu  bedeuten?  ist  Name  und
Sache  sehr  alt?  sind  etwa  bloß  einige  von  diesen  Paleis  sehr
alt,  andere  aber  ein  Werk  späterer  Zeiten?

Auf  alle  diese  Fragen  weiß  man  wenig  vollkommen  Befriedigendes.


Der  Name  soll  nach  Einiger  Meinung  daher  kommen,
weil  man  von  Zeit  zu  Zeit,  besonders  da  das  Buch  zu  Vorlesungen
  gebraucht  worden,  neue  Canones  hinzugefügt  habe,
und  um  diese  neuen  von  den  alten  zu  unterscheiden,  habe
man  immer  hingesetzt:  Dost  alia,  oder  abgekürzt:  p.  alia.  Wie
nun  durch  Unwissenheit  des  mittleren  Zeitalters  der  Name
„Postill“  durch  eine  Jusammenziehung  entstanden  sey,  so  auch
der  Name  palea,  indem  die  kleine  noch  übrige  Veränderung
sich  leicht  habe  vollends  ereignen  können.  Eine  feine  Erklärung,
  nur  mit  der  wichtigen  Schwierigkeit  verbunden,  daß
doch  von  Gratian's  Zeiten  an  mehrere  Jahre  haͤtten  vorüber
gehen  müssen,  ehe  eine  solche  Veränderung  mit  einem  solchen
Namen  vorgehen  könnte.  Aber  schon  Huguccio,  einer  der  ersten
  Kommentatoren  über  den  Gratian,  der  zu  Ende  des
zwölsten  Jahrhunderts  lebte,  gedenkt  dieser  Paleen,  freilich
nur  weniger  derselben,  daß  sie  also  wohl  seit  der  Zeit  sehr
vermehrt  worden  seyn  mogen;  aber  der  Name  war  doch
schon  da.

Viel  wahrscheinlicher  ist  also,  daß  diese  Glossen  von
ihrem  Verfasser  den  Namen  haben  mögen.