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feinsten  Nuͤancen  bestimmte  Wahrheit  bekuͤmmert,  als  vielmehr
  auf  Stuͤrzung  gewisser  Vorurtheile  bedacht,  fuͤr  das  entgegengesetzte
  Extrem  der  damals  herrschenden  Meinung  sehr
geneigt,  und  auch  in  Ausdruͤcken  und  Erklärungen  dafür  hoͤchst
unvorsichtig,  denn  das  war  nothwendig,  um  den  tiefen  Schlaf
der  Menschen  in  ihren  alten  Ideen  zu  siören.  Haß  und
Grimm  gegen  die  Geistlichkeit,  die  mit  ihm  von  jeher  nicht
zufrieden  war  und  deren  Beschuldigungen  er  durch  unvorsichrige
  Sirten  öfters  wahrscheinlich  machte,  weckten  die  natürliche
Heftigkeit  seines  Genies  noch  mehr,  und  gaben  dem  Feuer
Nahrung,  das  vielleicht  sonst  bei  der  natürlichen  Flüchtigkeit
seines  Temperaments  gar  zu  schnell  abgebranmt  wäre.

Thomasius  hätte  uns  übrigens,  wenn  er  allein  Meister
geblieben  wäre,  in  eine  solche  Lage  mit  dem  Kirchenrechte  gebracht,
  daß  wir  in  der  Hauptsache  wenig  gewonnen  hätten.
Nach  seinem  System  würden  wir  bloß  den  Namen  unserer
  Päbste  gewechselt  haben,  aber  nicht  in  die  Freiheit
gekommen  seyn,  welche  uns  ursprünglich  gebührt  hätte;  er
gab  dem  Landesherrn  Rechte,  die  unmöglich  mit  den  ersten
gesunden  Begriffen  einer  christlichen  Kirche  bestehen  konnten;
er  vergaß  gar  zu  sehr,  daß  die  Kirche  als  eine  Gesellschaft,  die
sich  im  Staate  mit  Genehmigung  des  Regenten  bildete,  nothwendig
  gewisse  eigene  Rechte  haben  müsse,  die  schon  im  Begriff
  einer  solchen  Gesellschaft  selbst  liegen;  er  gab  den  Katholiken
  das  Messer  in  die  Hand,  um  uns  gänzlich  zu  vertilgen.
Denn  von  jeher  war  es  im  Geiste  des  katholischen  Klerus,
sich  durch  tausend  kleine  Kunstgrisse  zum  Ohr  großer  Herren
hinzuschleichen,  und  diesen  durch  Vorspiegelung  einzelner  kleiner
Vortheile  ihre  Religion.  abzukaufen,  die  ihnen  ohnedieß  oft
um  einen  geringen  Preis  feil  ist.  Wenn  nun  Alles  in  der
Willkür  des  Regenten  siehen  soll,  wenn  man  uns  befehlen
kann,  unsere  Religion  und  Religionsverfassung