400

weil  er  sonst  nicht  so  fruͤh  vorkomme?  Der  achte  Kanon  von
den  sogenannten  Katharern  wird  S.  399,  wie  gewoͤhnlich,  von
den  Novatianern  erklärt.  Die  Richtigkeit  dieser  Erklärung
scheint  uns  sehr  verdächtig.  Daß  sich  die  Novatianer  Catharos
  genanut  hätten,  weiß  man  bloß  aus  Epiphanius  und
Augustin,  aus  zwei  Schriftstellern,  deren  Genauigkeit  in  der
Ketzergeschichte  nicht  sehr  gewiß  ist,  und  die  überdieß  nicht
ganz  gleichzeitig  sind.  Der  Haß  gegen  die  zweite  Ehe,  der
ihnen  vorzüglich  vorgeworfen  wird,  war  sonst  nicht  besoudere
Meinung  der  Novatianer,  aber  Lieblingsdogma  der  Montanisten,
  und  in  der  Friechischen,  besonders  klein-§asiatischen  Kirche
waren  gewiß  auch  Gesetze  wegen  der  Montanisten  nothwendiger,
  als  wegen  der  Novatiener.  Mißvergnügen  über  die
nachgelassene  Kirchenzucht  war,  wie  man  schon  aus  Tertullian
sieht,  eben  sewohl  Klaglied  der  Montauisten,  als  Novatianer.
S.  401  scheint  der  Herr  Verfasser  selbst  dieser  Meinung  nicht
mehr  ausweichen  zu  können.  Im  neunzehnten  Kanon  sind  die
Worte  (ror  en  r##  o  Myart  e#a#d  Oerc##)  übersetzt:  Di  akonissinnen,
  die  in  diesem  Stand  angetroffen
werden.  Dieß  ist  nach  dem  ganzen  Zusawmmenhange  eine
unnötze  Tautologie,  und  auch  nicht  philologisch  richtig.  Die
Spynode  fand  nöthig,  der  Diakonissinnen  noch  besonders  zu
gedenken,  welche  Nonnen  waren  (oyna  heißt  hier
Mönchshabit).  Sie  nahmen  sich  eben  als  Nonnen  mehr  heraus,
  als  die  übrigen,  wollten  zum  Klerus  und  nicht  zu  den
Laien  gezählt  seyn,  und  glaubten,  ungeachtet  sie  nicht  ordinirt
waren,  doch  schon  kraft  ihrer  Verrichtungen  Rechte  eines  ordinirten
  Klerikus  zu  haben.  Wir  geben  alle  diese  Anmerkungen
  als  Probe  unserer  vergnügten  Aufmerksamkeit,  womit  wir
jedem  Schrikt  des  Herrn  Verfassers  nachgegangen  sind,  und  wir
glauben,  selbst  durch  eine  solche  strengere  Kritik  das  Lob  dicses
  Werkes  viel  tärker  gesagt  zu  haben,  als  durch  alle