409

ganzen  Geschichte  zeigt  sich  ein  so  tlefer  Zerfall  der  ganzen
Menschennatur,  als  in  der  Geschichte  der  Byzantiner,  und
zwar  ununterbrochen  von  dem  Ende  des  vierten  Jahrhunderts
an  bis  in's  fuͤnfzehnte  Jahrhundert.  Die  Beschreibung  der
Sitten  Konstantinopels,  wie  sie  Montfaucon  aus  Chrysostomus
  Homilien  gesammelt  hat  und  wie  sie  zum  Theil  hier
excerpirt  wird,  ist  sich  fast  durch  diesen  ganzen  Zeitraum  hindurch
  so  gleich,  daß  man  kaum  Ursache  hat,  Stufen  der  zunehmenden
  Korruption  zu  bemerken.  In  Erzählung  der  Geschichte
  der  Araber  und  Türken,  wo  sonst  gewöhnlich  unter
dem  Namen  der  Sarazenen  so  viel  Unbestimmtes  zusammengeworfen
  wird,  findet  man  hier  die  verschiedenen  Dynastien
und  die  abwechselnden  Schicksale  des  Fatimitischen  Kalifats
und  des  zu  Bagdad  sehr  gut  auseinandergesetzt.  Weil  der
Verfasser  eine  Militärgeschichte  schreiben  wollte,  so  ist  er  am
Ende  des  ersten  Theils  in  Beschreibung  der  Waffen  und  militdrischen
  Uebungen,  welche  man  damals  sowohl  zu  Wasser
als  zu  Land  hatte,  zweckmäßig  ausführlich.  Da  der  erste
Band  einen  Grundriß  des  Zustands  von  Asien  und  unter  den
europäischen  Staaken  von  Frankreich  enthielt,  so  verbreitet
sich  der  zweite  über  England,  Deutschland,  Iralien,  und  von
S.  295—  552  wird  ein  Gemälde  von  den  Gesetzen,  Sitten,
Religion  und  Wissenschaften  entworfen,  welche  unmittelbar
vor  dem  Anfang  der  Kreuzzüge  in  Europa  herrschend  waren.
Mit  einer,  selbst  bei  einem  Franzosen  noch  merkwürdigen,  Freimüthigkeit
  werden  die  Usurpationen  der  Päbste  erzählt,  die
abgeschmackten  Leremonien,  welche  damals  für  Religion  gelten
sollten,  gerade  so  lächerlich  gezeigt  als  sse  waren,  und  manche
sonst  schon  bekanntere  Bemerkungen  erhalten  durch  die  historische
  Kunst  des  Verfassers  ein  neues  Licht  und  Interesse.
Das  sogenannte  Recht  der  Prälibation  scheint  hier  ernsthafter
  genommen  zu  werden,  als  es  doch  wohl  wirklich  war,  da