14.  Versuch  über  die  Beschuldigungen,  welche
dem  Tempelberrnorden  gemacht  worden,  und
über  dessen  Geheimnihß;  nebst  einem  Anhang
über  das  Entstehen  der  Freimaurergesellschaft
von  Friedrich  Nicolai.  1782.  215  Seiten.  8  9)
Oie  Geschichte  der  Tempelherrn,  und  besonders  die  Vorstellung

  von  dem  traurigen  Ende  dieser  merkwürdigen  Gesellschaft,

  bat  sich  bisher  mit  der  gewöhnlichen  Nachlässigkeit  einer
gewissen  historischen  Tradition  fortgepflanze;  die  Akten  derselben
  waren  zwar  dem  Publikum  vorgelegt,  aber  unsere  Historiker
  sind  meist  zu  rüftig,  als  daß  sie  erst  Akten  lesen  sollten,
jeder,  je  nachdem  er  gegen  König  Philipp  oder  gegen  die

Ritter  mitleidig  seyn  wollre,  nahm  sich  einer,  von  den  groͤ-„Hern

  Historikern  zum  Fübrer,  und  weil  es  immer  schöner

läßr,  die  Sache  der  Unterdrückten  zu  vertbeidigen,  so  erschien

der  babsüchtige  Philipp  gewöhnlich  nech  grausamer,  als  er  in
der  That  war.  Wie  ermunternd  ist  Herrn  Nicolai's  Beispiel
für  den.  Geschichtsorscher  auf  einem  Felde,  das  schon  so  viele
hundert  Schriftsteller  durchbotanisirt  zu  baben  vorgaben,  hie
und  da  noch  so  viel  Neues,  Interessantes  und  wahrhaft  Pragmatisches
  zu  finden.  Schon  die  einzige  Bemerkung,  daß  sich
bei  dem  Tempelherrnorden  mebrere  Grade  fanden,  muß  das
Cbaos  der  meisten  bisberigen  Erzählungen  aufklären,  bei  dem
sebeinbaren  Widerspruch  rieler  Aussagen  der  Ritter  Uebereinstimmung
  und  Wahrheit  finden  lassen,  und  auch  in  der  Anwendung
  auf  die  Geschichte  anderer  Orden  höchst  fruchtbar
werden.  Mit  wabrer  kririscher  Genauigkeit  hat  Herr  Nikolai
vortrefflich  ausgeführt,  daß  die  Verbrechen,  welche  den  Tempelherrn
  vorgeworfen  wurden,  Christusberleugnung,  unnatürliche
  Luͤste  u.  s.  w.  vollkommen  wahr  gewesen  seyen,  nicht

*)  Aus  den  Gött.  Gel.  Anz.  1782.  St.  49.