444

und  fast  noch  mehr  einer  interessanten  Darstellung  derselben
schaden.  Selten  verhuͤtet  man  bei  eeiner  schnellen  leidenschaftlichen
  Replik  kleine  historische  Unrichtigkeiten,  und  wenn  es
auch  nur  solche  sind,  als  Seite  35  die  Verwechselung  von
Bryant  und  Brydone.  Uecber  eine  einzige  der  historischen
Hauptideen,  auf  welchen  der  Baffomctussireit  beruht,  werden
wir  uns  selbst  bei  der  nothwendigen  Kürze  dieser  Blätter  etwas
  ausführlicher  erklären  dürfen,  um  zugleich  auch  einige
Gründe  von  dem  anzugeben,  was  wir  bei  Anzeige  des  ersien
Theils  bloß  im  Allgemeinen  sagten.  Herr  Nikolai  nimmt  an,
daß  guostische  Meinungen  und  Lehrsätze  durch  das  ganze  mittlere
  Zeitalter  herab  sich  verbreitet  haben;  und  freilich  gab
man  bisher  manchen  Kotzercien  des  mittleren  Zeitalters  gleichsam
  in  einer  eilenden  Kürze  einen  solchen  Namen,  sorglos,
daß  vielleicht  Jemand  einmal  wahre  und  vollkommene  Gnostiker
  da  suchen  werde,  wo  man  bicéher  den  Namen  bloß  wegen
einer  gewissen  Aehnlichkeit  der  Meinungen  brauchte,  wenn
schon  diese  aus  ganz  andern  Prämissen  und  Veranlassungen
flossen,  ganz  anders  untereinander  zusammenhingen,  als  bei
den  alten  Gnostikern.  So  spricht  man  freilich  von  Manichäern
  in  der  Geschichte  des  mittlern  Zeitalters,  aber  historisch
  richtig  begriff  man  darunter  nur  einen  Haufen  unwis
sender.  Menschen,  die,  selbst  zum  Theil  durch  die  damals
allgemein  berrschenden  Religionsbegriffe  veranlaßt,  den  Teufel
zu  einem  bösen  Gott  machten.  Der  Ingquisitor,  der  wohl,
sobald  er  einen  solchen  Hauptpunkt  crforscht  zu  haben  glaubt#,
an  wahre  Manichäecr  dachte,  suchte  selbst  schon  bei  der  Inquisirion
  das  ganze  Bild  des  Manichäers  herauszubringen,  und
welche  Ketzerei  kann  man  nicht  einem  unaufgeklärten  Schwärmer
  abfragen,  wie  doch  im  miltlern  Zeitalter  fast  alle  jene,
von  der  großen  Kirche  getrennten,  mißvergnügten  Partien  schon
nach  ihren  außeren  Schicksalen  nothwendig  seyn  mußten.  In