19

richten  hat;  aber  unterdeß  muͤssen,  so  viel  es  in  einer  so
dunklen  Sache  moͤglich  ist,  Wahrscheinlichkeiten  auf  beiden
Seiten  erwogen  werden,  und  bei  einer  solchen  sorgfaͤltigen
Erwaͤgung  scheint  mir  die  Existenz  des  wirtembergischen  Grafen
  Albrecht  noch  Einiges  vor  der  gegenseitigen  Meinung
voraus  zu  haben.

Aber  wie  sollte  sich  nun  alles  Bitherige  mit  obgedachter
kritischen  Vermuthung  vereinigen  lassen,  daß  hier  eine  Verwechslung
  zwischen  wirtenbergischen  und  windbergischen  Grafen
  vorgegangen  sey,  daß  wohl  die  Grafschaft  Windberg  und
Bogen  damals  könnten  vereinigt  gewesen  seyn,  aber  gewiß
niemals  Wirtenberg  und  Bogen.  Ich  vermuthe,  die  Art,  wie
dieser  Irrthum  und  Verwechslung  vorgegangen,  lasse  sich  aus
der  Art  erklären,  wie  Kloster-Chroniken  verfaßt  wurden,  und
sälbst  die  Entstehungsart  dieses  Irrthums  setzt  die  Eristenz
eines  wirtenbergischen  Grafen  Albrecht  voraus.  Die  Kloster-Chroniken
  sind  meistens  Rhapsodien,  zusammengeschrieben
theils  aus  dem,  woas  sich  als  mündliche  Sage  im  Kloster
erhalten  hatte,  oder  was  sich  etwa  auch  auf  Leichsteinen,  andern
Inschriften  oder  auch  in  Urkunden  fand;  theils  aber  auch
bereichert  und  erweitert  aus  andern  Chroniken,  von  welchen
man  eben  Kopien  im  Kloster  hatte,  oder  auf  welche  der  Kloster-Annalist
  gerathen  war.  Die  wenigen  Nachrichten,  die  sie
aus  mündlichen  Sagen  und  oͤffentlichen  Denkmälern  zusammen
  erhielten,  suchten  sie  durch  Beschreibungen  und  Anekdoten
aufzustutzen,  die  sie  in  andern  Chroniken  fanden.  Solche  Erzaͤhlungen,
  wie  man  z.  B.  von  der  Einkleidung  des  juͤngern
Grafen  Albrecht  in  obigem  Fragment  findet,  sind  eine  Art  eines
  gewoͤhnlichen  locus  communis  solcher  Schriftsteller;  sie
sind  ohngefähr  wie  die  Reden  bei  den  Alten  oder  wie  öfters
die  Schilderung  der  Charaktere  bei  franzoͤsischen  Historikern.
Nun  koͤnnte  es  leicht  seyn,  daß  die  Rhapsodie,  aus  welcher

2*